Aachener Untergrund Kultur

5. Februar 2010

DRAGNET RECORDS – Aachens bester Plattenladen (1990-1998)

DRAGNET RECORDS öffnete Anfang September 1990 seine Pforten in der Aureliusstrasse in Aachen. Zunächst präsentierte sich der Laden als reiner Collector’s Shop, d.h.: man verkaufte fast nur rare, gesuchte Scheiben, was die Aachener Käuferschaft in 2 Lager spaltete: Die einen mochten den Laden nicht, ob der hohen (zumeist aber angemessenen) Preise, sie empfanden Dragnet als „elitär“. Andere (ich z.B.) verbrachten dort ihre Samstagvormittage (Ladenschluß war ja noch 14h), vom Personal bestens versorgt mit Keksen und Kaffee und Raritäten.
Auf jeden Fall hatte die Kaiserstadt (und Umgebung inkl. Köln) solch einen speziellen Laden noch nicht gesehen.
Durch eine Repertoire-Erweiterung um Indie/Gothic/Industrial Neuware und deren sehr günstigen Preise, sowie regelmäßigen, umfangreichen Mailorderkatalogen mauserte sich DRAGNET sehr bald zur NRWs erster Adresse in Sachen Schallplatten/CDs. Dies lockte natürlich ein breites -auch auswärtiges- Publikum in den Laden, was oft freitags und samstags zu leichtem Gedränge führte.
Als Dankeschön feierte man jährliche „Jubiläumspartys“ mit satten Preisnachlässen, Sekt und Salzstangen ohne Ende. Wahrlich goldene Zeiten…
Neben dem Laden gab es noch weitere Aktivitäten:
Bereits im Frühjahr 1991 erschienen die ersten Vinyl/CD Produktionen auf dem hauseigenen Label DRAGNET, sowie auf DRADOMEL, einer Kollaboration von DRAGNET und DOM ELCHKLANG und man veröffentlichte ab 1995 auf dem via ROUGH TRADE vertriebenen Indielabel SCOUT RELEASES einige sehr erfolgreiche CDs (The Fall, Mekons, Handsome family etc.).
Ebenso organisierten die Dragnet-Macher rund um Aachen Konzerte (EA 80, Legendary pink dots, Rausch, Jack or jive, etc.).
Schließlich betrieb man ab 1996 einen Tonträger Export-Großhandel (TARGET EXPORT) in der Weststrasse in AC (bis 2008) und das Panteon CD-Preßwerk in Alsdorf.
Diesen arbeitsintensiven Beanspruchungen fielen dann leider der Laden (1998) und später auch die Label zum Opfer.
Aber für alle nostalgisch veranlagten Dragnet-Fans gibt es nun einen angemessenen Trost:
Die Dragnet Betreiber, sowie ehemalige Mitarbeiter, haben ein eigenes Blog eröffnet, mit schönen Fotos, Devotionalien und Erinnerungen rund um Aachens besten Plattenladen und alle anderen Dragnet-Aktivitäten:
http://scoutreleases.blogspot.com/

5 Kommentare »

  1. >Dank an Allo für dieses schöne Posting, das Dragnet in DAS Licht stellt, in das es gehört!Obwohl ich damals selber stark involviert war, kann ich rückblickend mit der nötigen Distanz auf die Geschehnisse rund um das Ladenlokal blicken. Vor allem seit Mitte der 90er gab es immer wieder rasante Schnäppchen zu machen, auch außerhalb der beispielslosen Jubiläen, und was das doch recht große Stammpublikum anging, so konnte man sich treuere (und demnach auch zufriedenere) Kunden nur schwer vorstellen. Der Durchlauf an Ware war enorm. Immer wieder gingen die Betreiber auf große, auch außereuropäische Einkaufstour und es wurden riesige Pakete angeliefert mit Hunderten von obskuren, raren und gesuchten Scheiben. Schön, schön…schön war die Zeit!

    Kommentar von Babula — 6. Februar 2010 @ 10:30 am

  2. >Dragnet war echt ein cooler Laden. Wusste gar nicht, daß die so viel an der Backe hatten.

    Kommentar von Anonymous — 6. Februar 2010 @ 11:45 am

  3. >Super Bericht. Thanks für den Link. Die Jubiläumspreise waren voll der Hammer. Hab da säckeweise Zeugs rausgetragen und war immer Hacke abends von dem ganzen sekt.

    Kommentar von Anonymous — 6. Februar 2010 @ 11:07 pm

  4. >Wenn das Bemühen um fundiertes Hintegrundwissen und das Streben nach ansprechender Präsentation "elitär" sind, dann bin ich stolz, in einem elitären Laden gearbeitet zu haben.Dragnet, der Laden hat sich tief in meinem Wahrnehmungsgedächtnis verankert – Gerüche, das Handling der Plastiktrennwände usw…

    Kommentar von Atomfan — 12. Februar 2010 @ 11:40 am

  5. >Den Äußerungen von Atomfan kann ich mich – wenn auch primär Stammkunde und nicht Mitarbeiter – uneingeschränkt anschließen.

    Kommentar von Rob — 13. Februar 2010 @ 7:41 pm


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