Aachener Untergrund Kultur

16. Mai 2010

SKIPPY

Filed under: Punk auf dem Land, Ramon, Tapes of terror Skippy — karl pach @ 7:20 am
Mitte der 80er auf den Äckern des Vorheinsberger Landes fand sich, eine heute noch/wieder existierende, Punkcombo zusammen – Skippy. Die Geschichte der Trash und Horrorfans hier aus Sicht von Herrn Klotz, welchen auch das folgende Foto aus dem Jahr 1988 zeigt:
Gründung
Als für einen bevorstehenden Auftritt von DEMENTIA 13 im Übach Palenberger Keller Equipment zusammengeliehen wurde, beschlossen zwei Mitglieder der Formation mit einem dritten zusammen, im Oktober 1987 noch eine weitere Band zu gründen, die „sowas wie FLIPPER“ machen sollte. Der Kram stand halt einmal im Proberaum (ein Gewächshaus in Geilenkirchen) und so wurde auch direkt ein Demotape aufgenommen. Mit Ausnahme des Gitarristen hatte man nicht unbedingt Erfahrung am jeweiligen Instrument, und so wurde aus dem Schlagzeuger und Sänger irgendwann der zweite Gitarrist, während der Bassist zum Gesang wechselte. Erstaunlicherweise gefielen die Aufnahmen (als Splitdemo mit Dementia 13 als Tapes of Terror #5 veröffentlicht) dem späteren Gründer des „Very Good Records“-Label aus Dortmund so gut, daß er sich bereit erklärte, zur Hälfte die Finanzierung einer Vinyl EP zu übernehmen.

EP
Die Platte, als Split mit der Dementia 13-Nachfolgeband SAWNEY BEANE (die aber eigentlich aus den selben Mitgliedern wie Skippy bestand) konzipiert, wurde dann 1988 im Ausbruch-Proberaum im Musikbunker Goffartstr. aufgenommen. Als Aufnahmeleiter fungierte Ecki Heck, der auch auf dem ein oder anderen Instrument aushalf. Mittlerweile hatte man noch einen zusätzlichen Schlagzeuger, tauschte aber schonmal die Instrumente. In einem separaten Auto sollte eigentlich auch noch ein weiblicher Background-Chor anreisen, der hatte sich aber verfahren und kam nie am Musikbunker an. Damals mußte man Vinylvorlagen beim Presswerk noch auf Tonband anliefern, was Ramon Creutzer für uns besorgte. Die 500 Cover wurden separat gedruckt und eigenhändig zurechtgeschnitten, numeriert und zusammengeklebt.

Erste Gigs
Jetzt hatte man also eine Platte, aber immer noch nicht viel Equipment, keine Auftritte und eine eher wackelige Besetzung. Es kam eine Bassistin hinzu und man war plötzlich Quintett, der Schlagzeuger ging aber wieder und wurde durch Henry, der eigentlich nur im Proberaum vorbeikam, um Bandfotos zu machen, ersetzt. Dann ging auch der Original-Gitarrist und wurde ebenfalls ersetzt. Nach einer öffentlichen Probe und einer Geburtstagsfeier in Merkstein hatte man im Oktober 1990 den ersten richtigen Auftritt, im Vorprogramm von ALL in der Rockfabrik. Kurz darauf stieg auch die Bassistin aus, konnte aber bald durch Thomas Gier aus Aachen ersetzt werden, womit gleich drei Thomasse in der Band waren. In dieser Besetzung nahm man – wieder im Ausbruch-Proberaum! – 1991 das zweite Demo „Dawn of the Deaf“ (Tapes of Terror #11) auf und spielte vermehrt, dank Vermittlung von Axl G. sogar auf dem „Evol“-Festival in Berlin um drei Uhr morgens. Wir konnten nicht erkennen, ob Publikum da war, da das Bühnenlicht blendete, es soll aber auf der Theke getanzt worden sein. Der weibliche Anhang hatte sich diesmal nicht verfahren, aber den Konzertbeginn verschlafen und glaubt uns bis heute nicht, daß wir tatsächlich gespielt haben.

Quartett
Thomas G. verließ die Band 1992 und statt einen neuen Bassisten zu suchen, wechselte Thomas B. von der Gitarre zum Bass. Der Sound wurde ein wenig härter und 1992 wurde das Demo „Through the looking glass“ (Tapes of Terror #13) veröffentlicht. Eine für 1993 geplante Tour beschränkte sich auf zwei Auftritte in Halle an der Saale und Putzkau bei Dresden, die unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können – traf man in Halle auf äußerst freundliche und engagierte Menschen und, obwohl einen kein Schwein kannte, auf ein erstaunlich großes Publikum, tauchte der Organisator des Konzerts in Putzkau überhaupt nicht auf, stattdessen ließ der Saalinhaber seinen Rausschmeißer los, wagte man, die Situation (kein Schlagzeug vorhanden, ein Kasten Bier für drei Bands) zu kritisieren. Da es natürlich auch keine Pennplätze gab, fuhr man nach dem Konzert (vor ca. 5 Leuten mit Deathmetal-T-Shirts) weiter nach Berlin, wohin uns die freundlichen Kollegen von ULTIMATE WARNING einluden. Auch nicht schlecht das in der Frittenbude vor der Rockfabrik gebuchte Konzert in einer Scheune in Schleiden, wo wir auf die Frage nach Spritgeld die Antwort bekamen: „Wieso Spritgeld? Das ist ein Benefizkonzert für bedrohte Völker!“ – oder der Auftritt im besetzten Haus an der Neupforte, wo man die Band bat, leise zu spielen, weil „oben schlafen Kinder“.

Eine weitere geplante Tour, zusammen mit SISTER AUTOMATIC aus Birmingham, mußte 1996 auch leider ausfallen, da deren Gitarrist zwei Tage vor Tourstart in eine Kneipenschlägerei involviert war und das Land nicht verlassen durfte. 1997 verließ Thomas B. die Band und wurde durch Frank F. (Ex-THE SHAMROCKS) ersetzt. Die bereits 1996 aufgenommene CD konnte 1999 nach zahlreichen Problemen tatsächlich noch erscheinen. Im Januar 2008 traf man beim leicht verspäteten 20jährigen Jubiläum im Parkside wieder auf Ramon hinter dem Mischpult und konnte das zweite Album „Infected Minds“ als CD-R präsentieren. Teile davon kann man auch auf der myspace-Seite (http://myspace.com/skippytheband) hören.

Live 1996:

Die aktuelle Skippy CD gibts noch zu kaufen. Als Hörprobe hier die Tracks der „Tinnitus für alle“ Compilation des „Tapes of Terror“ Labels. Details zu den Songs in der Datei:
1. At all (erstes Demo, 1987)
2. Winter (zweites Demo, 1991)
3. Alice D. (drittes Demo, 1992 – dazu hatten wir auch im damals leerstehenden Übach Palenberger Zechengebäude einen Videoclip gedreht, den müssten wir mal digitalisieren)
4. Sold Out (unv. 8 Spur-Aufname, 1991)
5. Infected Minds (Proberaumgerümpel, ca. 2000)

Skippy – Tinnitus Compilation

5 Kommentare »

  1. …sehr verwirrende Besetzungsgeschichte! Wer war die Bassistin? Doch nicht etwa die „Bass-Königin“?

    Kommentar von Bass-Interessierter — 16. Mai 2010 @ 9:03 am

  2. …und es wurden schon einige Details ausgelassen, um es nicht noch verwirrender zu machen.😉
    Ich weiß jetzt nicht, wer mit „Bass-Königin“ gemeint ist, die Dame war jedenfalls vorher beim Gruppe Lindt/Little Fury Things-Vorläufer „Scream of Saigon“ zu hören. Hier noch ein paar Details zu den Songs in der Datei:
    1. At all (erstes Demo, 1987)
    2. Winter (zweites Demo, 1991)
    3. Alice D. (drittes Demo, 1992 – dazu hatten wir auch im damals leerstehenden Übach Palenberger Zechengebäude einen Videoclip gedreht, den müssten wir mal digitalisieren)
    4. Sold Out (unv. 8 Spur-Aufname, 1991)
    5. Infected Minds (Proberaumgerümpel, ca. 2000)

    Kommentar von Alex — 16. Mai 2010 @ 1:50 pm

  3. Ok, es war nicht Frau Hansen…
    Gruppe Lindt/Little Fury Things/Scream of Saigon hatten auch ne Bassistin?
    Markus, klär mich auf!

    Kommentar von Bass-Interessierter — 16. Mai 2010 @ 2:14 pm

  4. […] Schnappschuss entstammt den Tiefen von Kilowatts Archiv. Wohnen wir da besagtem Skippy Gründungsmythos […]

    Pingback von Dementia 13/Skippy « Aachener Untergrund Kultur — 24. September 2012 @ 6:25 am

  5. Hey ich glaube, die Geburtstagsfeier in Merkstein war bei mir, ich habe am 16.3. Geburtstag und ich meine Ihr habt dort zu meinem 20. Burzeltag gespielt!!!! Ist das lange her. Liebe Grüße an den Alexxx! Claudia

    Kommentar von Claudia — 20. März 2015 @ 9:34 pm


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