Aachener Untergrund Kultur

27. Februar 2012

Reinfall Tapes – mehr Schnipsel & Leserbrief

Filed under: Reinfall Tapes, Uncategorized — karl pach @ 8:21 am

Kollege Kilowatt war so nett und hat noch 3 alte Schnipsel zum Reinfall Tapes Umfeld geschickt. 2 Kassetten Besprechungen sowie der Bericht über den Ringelpietz Presseball. Letzteres wohl ein Highlight damaligen Eschweiler Kulturlebens.

Dieter Antonio wünschte sich in seinem Letzten Artikel den Leserbrief, welchen ENK 83 der Spex schickte. Kilowatts Archiv konnte auch hier helfen:

26. Februar 2012

Was war da mit der CDU los?

Filed under: Aachen bizarr, Politik, Willi Kappes — karl pach @ 10:42 am

Es folgen 3 historische Dokumente aus dem Jahr 1976. Wir sehen einen Wahlstand der CDU, aufgestellt am alten ASEAG Depot in der Talstraße.

Die musikalische sowie ideologische Betreuung besorgte hier, der wohlbekannte Aachener Musiker, Willi K.

Es handelt sich tatsächlich nicht um einen Gag des Herrn K., sein Freiluft Konzert neckisch mit einem CDU Sonnenschirm zu schmücken. Wir sehen einen realen Wahlstand dieser Partei! Was bewegte diese Organisation rechtsradikaler Irrer dazu ausgerechnet Herrn K. einen Wahlstand managen zu lassen? In einer Zeit wo diese Partei vehement den Sexualkunde Untericht in Schulen bekämpfte, über Todesstrafe für Terroristen sinnierte, etc. erwartet man eigentlich die Abordnung eines Kirchenchores oder so. 1976 hatte dieser Haufen seinen Wahlkampf mit einer Single (kleine Schallplatte) aufgepeppt, „Komm aus deiner linken Ecke“ hies die musikalische Kampfansage. In Manier eines besonders asozialen Karnevalsschlagers sollte das Wahlvolk dadurch auf den rechten Weg gebracht werden. Die Walkampfplakate zierte, gleich dem Singlecover, ein paar grüner Boxhandschuhe. Deutlich niveauvoller, als dieser Schlager, kommen die musikalischen Darbietungen des Herrn K. zwar nicht rüber, haben aber Originalität.

Der Musikant war seinerzeit Mitglied der Partei. Wie er das Kunststück vollbrachte seinen Auftritt unter CDU Obhut zu absolvieren bleibt trotzdem Schleierhaft. Der Aufstellort macht die Geschichte noch bizarrer. Hätte die Partei den Stand in einem Studentenviertel aufgestellt, könnte man darin den Versuch sehen, die gebildeteren Schichten durch einen originellen Auftritt, für sich zu gewinnen. Die Talstraße samt Umgebung ist seit jeher, das was man ein Problemviertel nennt. Da gehört schon eine gewisse Portion Mut oder Wahnsinn dazu eine solche Form der Parteiwerbung umzusetzen.

Offenbar hatte die CDU nicht recherchiert wen sie da auf die Öffentlichkeit loslässt. Folgender Scan eines Konzertplakates aus dem Jahr 1974 belegt, das der Musiker mit Subjekten wie der Gruppe „Stoned Gnome“ auftrat.

Nicht nur deren Name, auch der Hinweis auf sozialkritische Texte attestieren Willis Umfeld eine gewisse Distanz zur CDU Ethik.

10. Februar 2012

Noch mehr historische Reinfall Tapes-Rezensionen

Matthias Lang, Macher des Fanzines Irre, blieb auch Ende des Jahres 1982 seiner Liebe zu Aachener Reinfall-Tapes treu – siehe unsere beiden früheren Beiträge – und rezensierte drei weitere von ihnen in der Dezember-Nummer von Scritti, jener kurzlebigen Frühachtziger-Spex-Alternative, an der u.a. der spätere Musikindustrieboss Tim Renner sowie Krawall-Anwalt Joachim Steinhöfel mitwirkten. Die Kollegen von Tape Attack haben gerade einen Scan des Hefts online gestellt. Zitate von Seite 19 und 20 (mit originalbelassener Rechtschreibung):

NERO’S TANZENDE ELEKTROPÄPSTE
Portrait einer Legende
C-30
Hier mal wieder ein echt gutes Synthi-Tape. Die Songs sind alle sehr sehr interessant aufgenommen, teilweise mit Gesang. An manchen Stellen taucht eine rhythmische Funkgitarre auf, die den Sound jedoch nicht wesentlich verändert. Wie ihr aus meinen Besprechungen vielleicht schon bemerkt habt, stehe ich auf weißen Funk. Hier allerdings nur angedeutet, die Hauptmerkmale setzt der Synthesizer.

T E Musik / II
C-30
Das zweite Tape von T.E. Hier möchte ich auch gleich auf sein anderes Werk hinweisen, daß einige absolute Knüller enthält. Jedoch enttäuscht mich dieses Werk hier ein wenig. Zu wenig neues gibts zu hören, doch das alte wird in guter Manier serviert. Die einzelen Stücke sind sehr konservativ gespielt, mit einem guten Punkeffekt versehen. Anspieltips gibt’s keine, hört euch diese Cassette mal an.

Sprudelnde Vielfalt
Sampler 2 C-60
Der zweite Sampler vom Reinfall Label. Mit dabei natürlich alle bekannten Reinfall Gruppen und Solisten: Kronprinzen /  Zeitzeichen / Reinfall Duo / Seltsame Zustände / Rückstand / Perlen vor die Säue /Abnorm / T.E. Musik / Neros tanzende Elektropäpste. Die Musikrichtung ist so, wie es auf einem Sampler sein soll. Abwechselnd, einfallsreich und gekonntes mit amateurhaftem vermischt. Hervorheben möchte ich die Beiträge von Rückstand (siehe dazu letzte SCRITTI, Rückstandtape) und T.E. Musik, dessen erster Song „Disziplin“  stimmlich sehr an BAP erinnert. Kommt wohl daher, daß T.E. Kölner ist. Dann noch sein zweiter Beitrag: „Körper“… und sie kommen in weißen Anzügen und tragen deinen Körper weg…“. Ein guter Überblick über das Reinfall-Label, die schon mehrere gute Tapes veröffentlicht haben.

Elektropapst ENK klebte die Rezension von „Portrait einer Legende“ in seinen Fanzine-Artikel über Neros tanzende Elektropäpste, der ’83 in der siebten Nummer von Irre erschien, womit sich der Kreis schloss. Und schrieb einen Leserbrief in Spex, der mit dem Satz endete: „Die Scritti schlägt Euch um Längen“. (Falls jemand den noch hat, bitte scannen und uns schicken.)

5. Februar 2012

CAPITOL Kino vor u. nach dem Krieg

Vom letzten übrig gebliebenen „schönen“ Kino Aachens war mir überhaupt nicht bekannt, dass es von 1930 (Eröffnung) bis zur Zerstörung 1944 im „Hochhaus“ am Bahnhof untergebracht war. Interessant auch: es war mit 1500(!) Plätzen Aachens größtes Kino, aber nach außen nur durch eine Neonreklame (s. Foto) zu erkennen. Man kann nur hoffen, dass das „neue“, 1958 errichtete Capitol am Seilgraben nicht auch noch irgendwelchen duften Einkaufcentern zum Opfer fällt. So was geht ja manchmal ruckzuck – und weg ist es… Dank an Silke!

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