Aachener Untergrund Kultur

25. Februar 2013

Gotteslästerung

Filed under: Aachen bizarr, Aachen in den 80ern, Politik — karl pach @ 8:19 am

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Wir schreiben das Jahr 1987, nicht 1587. Der geschilderte Vorfall hätte im Iran keine Schlagzeile produziert, das jedoch in Deutschland wegen Gotteslästerung prozessiert wird, zog das Interesse der überrregionalen Öffentlichkeit auf sich.

Es geschah während des, in Aachen stattfindenden, Katholikentages. Eine kleine Gruppe aufgeklärter junger Leute zog in karnevalistischer Manier in Richtung der Feierlichkeiten im Bereich Markt. Mitgeführte Plakate mit kritischen Anmerkungen, sowie aniklerikale Devotionalien, erregten, wohl erwartungsgemäß, die Gemüter der versammelten Gläubigen. Nach einem kleinen Rundgang um die weihevolle Kundgebung, kehrte die Gruppe im Domkeller zum Feiern der lustigen Aktion ein. Ein Großaufgebot grün Uniformierter wollte die Fröhlichkeit, durch Verhaftung der jungen Leute beendigen. Die diktaturgewöhnten griechischen Domkeller-Mitarbeiter verhinderten das zunächst couragiert, mit Verweis auf Privatgrund. Die Staatsmacht kesselte die Sünder später am Bahkauv ein und verbrachte diese in Gewahrsam. Ein Festnahmegrund fiel den Beamten nicht ein, wurde den Festgenommenen auch nicht genannt. Die findige Aachener Staatsanwaltschaft konstruierte später dann den Vorwurf der Gotteslästerung. Ein Vorwurf dessen Verfassungskonformität nicht dargelegt werden konnte. Das endete für die Angeklagten in einem Verfahren, in welchem ihnen Geldstrafen, alternativ Knast aufgebrummt wurde.

Die gescannten Ausschnitte der Lokalzeitung sind leider etwas mitgenommen.

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Die Aachener Obrigkeit weigert sich übrigens, bis heute, die Hexenurteile früherer Jahre aufzuheben und die verbrannten Frauen zu rehabilitiern.

24. Februar 2013

Frank Papst Buchholz

…auch bekannt als Papst Piss, Papst Pest und Frank Castro: von Urin über 10-Neger– und Au Hur-Tapes und Bierfront bis zu Punkrock-Karaoke und aktionskünstlerischem DJing ist er der wohl älteste noch aktive Protagonist der Aachener 80er-Untergrundkultur, neben Theo „Trickbeat“ Rick. In diesem Interview fürs Aachener Hochschulradio gibt er eine praktische Schnellübersicht seiner früheren und heutigen Aktivitäten:

(Da in dem Interview auch das künstlerische Elternhaus angesprochen wird: Vater Franz Buchholz, von dem unter anderem die Klangskulptur vor der Aachener Barockfabrik stammt, war laut diesem Lokalzeitungsartikel Miterfinder der Kunstkopf-Stereophonie an der RWTH Aachen. Dem widerspricht allerdings Wikipedia mit der Auskunft, dass der erste Kunstkopf schon 1933 gebaut wurde.)

22. Februar 2013

The Swamptones – Bildmaterial

Filed under: Aachen in den 80ern, Aachener Bands, Aachener Umland, Konzerte in Aachen — Bübbes Kehr @ 5:35 pm

Ergänzend zu diesem Post wurde uns freundlicherweise Bildmaterial zur Band zugespielt. Anbei das Poster ihres wohl besten Konzerts im Übach-Palenberger Keller sowie die Eintrittskarte zum Support-Gig bei Frenzy in der ebenfalls Übach-Palenberger Rockfabrik. Dank an Brian C. Taylor und Sir Glintfort für das Material!

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20. Februar 2013

Aachener Untergrund Kultur = Subkultur Westberlin

Filed under: Aachen in den 80ern, Aachen-international, Aachener Untergrund, Aktionskunst, Fanzine, Kunst & so, Trickbeat — Dieter Antonio Schinzel @ 9:28 pm

Seit Anfang dieses Jahres sorgt Wolfgang Müllers 579seitiges Erinnerungsbuch Subkultur Westberlin 1979-1989 für Rauschen im Blätterwald. (Wer Müller nicht kennt, obwohl er oder sie diesen Blog liest: genialer Tödliche Doris-Dilletant, seit den 90ern in Dieter Roths Island-Fußstapfen wandelnd). Auf den Seiten 109 sowie 388-392 wird das gemeinsame Gastspiel der Tödlichen Doris mit den Aachener 80er Jahre-Untergrundkulturexporten Bierfront und Trickbeat auf der Documenta 1987 in Kassel gefeiert. Wir zitieren S. 389:

Eine Sponsoring-Zusage [für den documenta-Auftritt der Tödlichen Doris, Anm.] gibt es lediglich vom Aachener Punk-Fanzine Bierfront und vom Westberliner Lokal Kumpelnest 3000. […] Im documenta-8-Katalog finden sie sich nun gleichberechtigt zwischen den Namen internationaler Großkonzerne, riesiger Unternehmen und Banken: „Bierfront und Kumpelnest 3000“. Das Aachener Punk-Fanzine stiftet achtzig Dosen Bier, während das Ex-Bordell Kumpelnest 3000 einen Betriebsausflug für seine Angestellten nach Kassel finanziert. 

S. 393:

In der Diskothek New York entsteht während der zehn Tage dauernden Performancereihe die documenta-8-Bierfront. Statt der Punkcharts ist sie mit einer Kunsthitliste versehen. Sie enthält die zehn besten Kunstwerke der documenta 8. Punk und Kunst begegnen sich erstmals – auf Augenhöhe. Die auf hundert Exemplare limitierte Sonderausgabe des Punk-Fanzines ist heute ein begehrtes Sammlerstück, sowohl in Punk- als auch in Kunstkreisen.

S. 109:

Ein gecharterter Reisebus, gefüllt mit documenta-8-Besuchern, die um Punkt 21 Uhr in der Diskothek New York abgeholten worden sind, fährt um die Unsehenswürdigkeiten von Kassel herum. Der vom Fanzine bestellte Reiseleiter ist Theo Rick von der Aachener Band Trickbeat. Seine Infos über die Unattraktionen der Stadt gibt er durch ein übersteuertes Megafon bekannt. Plötzlich stoppt der Bus. Rüde werden die Passagiere aufgefordert, sich jeweils eine Bierdose von der Pyramide zu nehmen und zu öffnen. Zwei der hundert äußerlich identischen Dosen enthalten jedoch Fanta statt Bier. Wer diese erwischt, dem überreicht Theo Rick eine Schallplatte mit Musik.

S. 106:

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Urin, Tierversuche

Die Kollegen von Tape-Attack haben die 1982er-Cassette „Tierversuche“ der schon damals semilegendären Aachener Dilletantenband Urin veröffentlicht (siehe unsere frühere Berichterstattung). Bandleader und Labelbetreiber Frank Papst Pest heisst darauf „Papst Piss“, und es gibt schöne Textzeilen wie „Ich wohne in einem russischen Tiergarten / Ich wichse den Elefanten am Rüssel“.

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