Aachener Untergrund Kultur

20. Februar 2010

WALFISCH – Alte Aachener Brauerei und Veranstaltungsstätte

Eine der ältesten Aachener Brauereien, gegründet 1490 war bis 1969 in der Pontstrasse 99 aktiv. Der Brauerei vorgelagert war die Gaststätte Walfisch und der Eingang befand sich eigentlich fast genau da, wo sich bis vor einem knappen Jahr der Eingang des PERA (siehe Bild) befand. Der Walfisch war nicht nur der sonntägliche Treffpunkt zigarrenrauchender Frühschoppengänger ab 50 aufwärts, sondern während der Woche zur Mittagszeit auch Anlaufpunkt hungriger Studenten, denn es gab dort eine preiswerte gutbürgerliche Küche.

Nach Durchschreiten des Lokals gelangte man in einen kleinen Saal, der meist am Wochenende geöffnet wurde um zusätzliche Kundschaft unterzubringen. Am Ende dieses Saales aber befand sich eine verschlossene Schiebetür, die nach dem Öffnen einen zusätzlichen, ziemlich großen Saal offen legte. Dort fanden in den 50er und 60er Jahren neben den obligatorischen Karnevalssitzungen (u.a. der Oecher Börjerwehr und der Fidelen Freunde) und großen Weihnachtsfeiern mit Nikolaus, Hans Muff und vielen vor Angst zitternden Kindern (zu der Zeit war man diesbezüglich noch nicht zimperlich), auch allerlei Versammlungen meist nichtpolitischer Art und internationale Briefmarken –und Münzauktionen statt. In regelmäßiger Unregelmäßigkeit gab es auch Musikveranstaltungen der eher volkstümlichen Art. Der in den späten 50er Jahren sehr beliebte LOU VAN BURG soll einige Male dort gastiert haben.

Links, einen kleinen korridorähnlichen Gang an den Sälen vorbei ,gelangte man dann durch eine schwere Türe auf das Brauereigelände. Ein großes Tor, geöffnet zur Auslieferung des Gerstensaftes befand sich im Marienbongard, an der Toreinfahrt, neben dem vor Ewigkeiten geschlossenen und der natürlichen Zersetzung anheimfallenden Lokal PUB DAVOR. Woher ich das alles weiß? Tja…aus einer Wirtshausfamilie stammend, waren meine Eltern Mitte der 60er Jahre für 2-3 Jahre Pächter des Walfisches, bevor sie dann das Gartenrestaurant FONTANA (jetziges Restaurant Ronheider Stuben) am Ronheider Berg übernommen haben.

Die Erinnerungen meiner Mutter an den Walfisch sind leider nur noch rudimentärer Natur, aber das bisher Gesagte, entspricht mit ziemlicher Sicherheit de n damaligen Zuständen. Inhaber der Brauerei war von 1876-1922 Franz Hamacher und ab 1922 die Hamacher KG. Das Walfischbräu selber soll wohl ein sehr eigenwilliges Bier gewesen sein, dass vor allem die DEGRAA- Trinker, die ja bekanntlich sehr alt wurden, mieden. Andere Aachener Bierkenner schworen auf das Walfischbier und eine nicht unerhebliche Menge von Stammgästen genoss dieses Bier üblicherweise mit „einem Kurzen“ (Korn), das gute alte Männergedeck, in der Region auch gerne „Köppelchen“ genannt. Es wurde auch ein Flaschenbier für den Export abgefüllt. Um Lücken in meinen frühesten Kindheitserinnerungen zu füllen, würde ich mir wirklich SEHR wünschen, noch irgendwelche Zusatzinformationen (Fotos wären natürlich der Oberhammer) über den WALFISCH zu bekommen.

17. Februar 2010

MUSIKLADEN – Kleiner Nachtrag

Filed under: Aachen bizarr, Plattengeschäfte in Aachen — babula @ 9:14 pm

Habe leider kein Foto des Ladens und traue mich nicht eins von seiner Homepage zu kopieren. ALLO hat das Mysterium Jürgen ja bereits mit Bravour durchleuchtet, doch seien noch kurze Ergänzungen und persönliche Erlebnisse von mir gestattet.

Ich hatte manchmal die Gabe etwas aus Jürgen, einem Kerl von einem Mann, rauszukitzeln. Dies war beileibe nicht einfach. Vor allem wollte ich immer wissen, WER denn Belfast von Boney M für 23 Mark kauft, und da er beispielsweise Rivers Of Babylon 17 mal in allen möglichen Zuständen, also von Cover druckfrisch bis Schnurrbart gemalt und Augen ausgestochen, ebenfalls alle für 23 Mark verkauft und nicht erst mal die ersten 15 für sagen wir 5 Mark und die letzten beiden für 23 Mark? Die zwar leicht veränderten, aber sinngemäß immer gleichen Antworten lauteten in etwa so: „…irgendwann kommt ein Japaner und kauft das…“ oder „…ich hab hier Kunden aus der ganzen Welt, die kommen rübergeflogen….“ oder „ist doch egal…irgendwann verkauf ich es.“ oder sogar „Ich brauch nix zu verkaufen….“

Auf eine Anmerkung von mir, dass in einer Hülle die falsche Platte steckt, erhielt ich zur Antwort, das sei egal, der Kunde probiert ja auch im Kaufhof eine Hose zuerst an (was immer das bedeuten soll…. )??!!??
Ganz toll war auch die Antwort, wo denn die SOUL Singles stehen. Antwort: „Da oben, wo BLACK PEOPLES draufsteht! „Das Harte und gleichzeitig Traurige daran ist, dass Black Peoples zufälligerweise auch noch einen entfernten Sinn ergibt.

Schön war auch die Ecke mit den Samplern (nun ja..Ecke, ich habe ganze Ladenlokale gesehen, die waren kleiner als DIESE Ecke). Nur der allerletzte Dreck. Da Jürgen dies wohl in abgeschwächter Form haufig zu hören bekam, wich er -und das ist mehr als bemerkenswert- von seinem, von Allo glänzend beschriebenen, Preissystem ab und verkaufte alle Sampler zumindest ab 1999 oder so für 6 Euro(!) das Stück. Auf meine Anmerkung, das selbst dies doch VIEL zu teuer sein, erhielt ich die fachmännische Antwort: SAMPLERS (man beachte das S) verkaufen sich immer. Toll war auch die Aussage so um 2002 rum, dass die Zukunft im Internet liegt.

Einmal kam ein GOTIKER in den Laden (der übrigens fast immer leer war, wenn ich da war) und fragte nach einem Sisters of Mercy Bootleg und bekam zur Antwort , dass gestern (!!) jemand da war und ALLE gekauft hat. Ich schaute dann später mal unter S nach und fand jede Menge Sisters Boots. Also tatsächlich lieber nix verkaufen als irgendwas tun zu müssen.

Erstaunlicherweise konnte ich dennoch hin und wieder etwas finden. Ich erinnere mich an den Kauf einer seltenen Postpunk-Single von den Mudhutters (total falsch wegsortiert), die ich für 25 Mark oder so ergattern konnte.

Einmal kam ich kurz vor Ladenschluß in den Laden und wurde nicht, wie sonst üblich, direkt des Ladens verwiesen, mit der Bemerkung, man schließe gleich (also in etwa 30 Minuten oder so), sondern Jürgen war bester Laune (offensichtlich neue Ballerrekorde aufgestellt oder den ganzen Tag die Bude voller Japaner gehabt) und hatte eine Platte von Peter Alexander (glaube ich) oder so aufgelegt und sang dabei phasenweise gut gelaunt mit. Ich blieb ein bisschen, lobte sein Preissystem und zog gegen 19.15 Uhr (!!!) verwirrt von dannen.

Dennoch, eins muss man trotz allem Unverständnis neidlos anerkennen. Europas grösster Plattenladen? existiert jetzt mehr als 20 Jahre und Jürgen hat sich wahrscheinlich dort nicht kaputt gearbeitet, sondern hatte viel Ruhe und Gelassenheit, die er auch –und jetzt vollkommen ironiefrei- ausstrahlte. Innerlich vermutlich gefestigter als viele seiner Besucher und/oder Lästerer. Einen unzufriedenen Eindruck hat er auf mich auch selten gemacht (es sei denn man wollte Platten anhören oder so). In diesem Sinne…leben und leben lassen.

29. Dezember 2009

>CHARLY, DEGRAA

Filed under: Aachen in den 70ern, Kultstätten in AC, Lokale in Aachen — babula @ 6:20 pm

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Ein schönes und seltenes Beispiel für die nachträgliche Akzeptanz eines Namensstempels auf einer Schallplattenhülle. Die Single erschien 1974. Leider kann ICH hierzu keine nette, kleine Geschichte aus dem Ärmel zaubern. Hoffe aber, dass ein anderes Blogmitglied oder der geneigte Leser etwas zum Charly-Degraa-Lindenplatz-70er Jahre-Thema beisteuern kann. Sexploitation/Bongo Soundfile auf Anfrage.

21. Dezember 2009

>KONZERTE IN AACHEN 1986

Filed under: Konzerte in Aachen, Kultstätten in AC — babula @ 7:39 am

Ich habe bereits in meinem Metropol-The Fall Beitrag daran erinnert, welch kurze Blütezeit die alte Kaiserstadt in Bezug auf attraktive Indiegigs in den Mittachtzigern erleben durfte. In erster Linie zeichneten sich da das METROPOL (heutiges B9) und das RITZ (ehemaliges Tiffany, heutiges Club Ritz) aus. Ich habe vor kurzem begonnen, diese fruchtbare Zeit der Veranstaltungen chronologisch aufzubereiten und dabei festgestellt, dass NOCH MEHR passierte, als in meiner Erinnerung vermutet. Die von mir zusammengestellte Liste erhebt dennoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie beinhaltet nur innerstädtische Gigs innerhalb des ersten Halbjahres 1986. Bei Interesse und Resonanz arbeite ich gerne mittelfristig weitere Zeitspannen auf. Das Nikki Sudden 2x in einer Woche im Metropol und dann noch kurz später im Ritz spielte, kann ich mir nur noch sehr schwer vorstellen. Aber verschiedene Magazine listeten diese 3 Termine. Und dass ich die RED GUITARS verpasst habe, ist nur schwer zu verzeihen.

19. Dezember 2009

>ETIKETTEN, SIEGEL & PREISAUFKLEBER Teil 3

Filed under: Plattengeschäfte in Aachen — babula @ 6:10 pm

Ton-Studio Jansen…tja…so mißverständlich der Name gewesen sein mag, so legendär waren seine allesamt in der Peterstrasse gelegenen Vinyloasen. Viel Wesentliches ist schon auf der bemerkenswerten Blogseite von Jolly Joker berichtet worden. Außerdem ist dort eine an „Reliquienwert“ kaum zu überbietende Kundenstammkarte abgebildet. Was es herauszufinden gilt ist jedoch, WANN genau begann Hans Jansen seine kulturell wichtigen Aachener Versorgungsaktionen im Vinyl –und nicht zu vergessen im Musikkassettensektor? Die auf dem Bild abgelichtete Platte ist von KENT AND THE CANDIDATES, einer guten End60iger US Soul-Psyche Band. Und der Jansen-Sticker ist interessanterweise auf der deutlich besseren B-Seite angebracht. Meine bisherigen Recherchen haben ergeben, dass der Jansen-Aufkleber in der Regel die A-Seite der Singles zierte. Wollen wir uns doch einfach in dem festen Glauben suhlen, dass Herr Jansen abends in einem gemütlichen Hi-Fi Sessel saß, alle Neuerscheinungen höchstpersönlich durchhörte (seine Gattin in einem anderen entsprechend ausgestatteten Raum alle Schlagerneuerscheinungen, versteht sich) und entschied, auf welcher Seite (nämlich der qualitativ besseren), der Sticker befestigt werden sollte. Ein wahrhaft schönes Bild! Die abgebildete Single der Bee Gees ist im September 1967 erschienen, was höchstwahrscheinlich besagt, dass er sein Geschäft dann und dort bereits betrieb. Ich werde selbstverständlich JEDE ältere, mit einem Sticker versehene Platte posten, damit wir wissen, wann er tatsächlich begonnen hat.

 

16. Dezember 2009

>ETIKETTEN, SIEGEL & PREISAUFKLEBER Teil 1

Filed under: Aachener Schallplattenläden, Karl Pach — babula @ 7:12 am

Ich freue mich immer wieder, auf meinen mittlerweile sehr sporadischen Exkursionen zu den lokalen und kreisnahen Trödelmärkten, An- und Verkäufen, sowie Besuchen in den wenigen verbliebenen Second-Hand Plattenläden, auf musikalisch meist fragwürdige Schallplatten zu stoßen, die aber heutzutage für meine nostalgische Seele eine entscheidende Aufwertung aufweisen: Preisetiketten, Versiegelungsetiketten oder gar Stempel oder Werbeaufkleber der von mir so häufig frequentierten Aachener Schallplattengeschäfte der 70er und 80er Jahre. Ich werde in Zukunft immer wieder mal das ein oder andere diesbezügliche Kleinod mit einem knappen Verweis oder Link auf diesen, gerade entstehenden Text online setzen. Den Anfang möchte ich mit dem edlen Versiegelungsetikett von Karl Pach machen. Das ich die abgedruckte Telefonnummer auch damals tatsächlich mindestens einmal angewählt habe, um den Bestand einer mir heutzutage zu peinlichen Single zu erfragen, macht diesen Sticker für mich umso wertvoller. Eine Geschichte über das Ladenlokal Karl Pach in Verbindung mit der SWEET-DOLP STRUNG UP, einem zerstörten Kopfhörer, einer zerschmetterten Glühbirne im hinteren „Lampenteil“ des Ladens und das leinwandmäßige, sirenenunterstützte Auftauchen eines Polizeieinsatzwagens in der Adalbertstrasse (nahezu fast alles zur gleichen Zeit), erzähle ich gerne zu einem späteren Zeitpunkt.

14. Dezember 2009

>MONTANUS Niederlassung in AC

Filed under: Aachener Schallplattenläden, Kultstätten in AC, New Wave — babula @ 6:05 pm

Eigentlich ist dies eine Montanus-Kassenzettel-Datumsnachweisgeschichte, aber beim Durchblättern der Zeitschrift, die ich einst höchstpersönlich in der unteren Adalbertstrasse gekauft habe, holt mich die Erinnerung an unvergessene Musikmomente im Montanus Ladenlokal ein. Und wenn sie (meine Erinnerung) mich nicht trügt, dürften die jetzigen „Wohltat“ Räume die legendäre Aachener Montanus-Filiale beherbergt haben. Oder war’s doch noch etwas höher Richtung Allo Pach?
Da ich seinerzeit eine stinklangweilige Ausbildung zum Versicherungskaufmann in der Aachener Bezirksdirektion einer großen Bremer Versicherung durchzustehen hatte und mir mittags immer 45 Minuten Mittagspause zustanden und der Weg zu Heiliger und Kleutgens oder Montanus in etwa gleich waren, stand ich mindestens alle 2 Tage im hintersten Bereich des Ladens um mir alle möglichen „New Wave“ Platten (ja…das war der magische Musikbegriff damals und nicht Post-Punk) anzuhören. Habe viele, viele Entdeckungen gemacht aber nahezu NIE Schallplatten bei Montanus gekauft (wohl aber Zeitschriften und Taschenbücher), da diese im Vergleich zu Allo Pach, Horten(!), Disco-shop in der Schützenstrasse und dem Laden im neu eröffneten City-Center und vor allem Jansen in der Peterstrasse, einfach deutlich teurer waren. Nur einmal erinnere ich mich an einen Anflug von Pflicht zur Dankbarkeit, in dem ich die zuvor mindestens 30x in diversen Mittagspausen gehörte und schon ziemlich mitgenommene erste GANG OF FOUR LP – Entertainment bei Montanus kaufte. Leider hatte ich nichts eiligeres zu tun, als zu Hause das Preisschild abzuknibbeln, ganz zum Nachteil dieses Blogbeitrages. Da ich das Cover bei Montanus während des Hörens so oft in den Händen hielt, bin ich mir ziemlich sicher, dass die Platte 23,95 DM kostete.
Vor allem danke ich Montanus nachträglich auch für die damalige Möglichkeit, die ganzen Schundplatten anhören zu können, die im Vermarktungsdunstkreis des New Wave von den Plattenfirmen propagandiert wurden, und die man dann nicht fehlerhaft erstanden hätte. Ich denke da an LPs von Bands wie den Romantics, A’s, Paul Collins Beat, After the Fire, 20/20, the Nits, Urban Heroes, Ian Gomm, Bram Tchaikovsky, Mi-sex, Live Wire, Pezband, Dwight Twilley, Holly&the Italians, The Pop, Paley Brothers, The Shoes und wie sie alle hießen…
Jedenfalls verdient auch die abgebildete Zeitschrift einen Blogbeitrag, da sie eines der wirklich obskuren Artefakte seiner Zeit ist/war. Berichte wechseln von Il y a Volkswagen und Wirtschaftswunder zu Rory Gallagher und Foreigner, von Marius Müller-Westernhagen zu SPK und von den Clash zurück zu Peter Maffay. Ein Konzertbericht der Dead Kennedys steht direkt neben Piierpauke und der Mario Henne Band(?) und das CHERRY RED den (hervorragenden) Sampler Business Unusual veröffentlichen wird, erfährt man neben der essentiellen Info das Jürgen Drews mit der Single ‚Don’t want nobody‘ in den US-Charts gelandet ist. Ich besitze 7 Ausgaben dieser Zeitschrift, ich weiß aber, dass es mehr geben muß. Ich brauche ALLE. Zahle was immer verlangt wird!
Nun gut, das Kaufdatum ist datiert auf den 20.01.1981. Wie bereits in einem früheren Kommentar vermutet, glaube ich nicht so recht, dass Montanus länger als 1985 in AC gastiert hat.

13. November 2009

>ALLO PACH – Die Schallplatte des Monats

Filed under: Aachener Schallplattenläden — babula @ 2:00 pm

…und hier noch ein seltener Werbeflyer aus dem Hause ALLO PACH, der unter anderem auch die bereits in diesem Blog vorgestellte Aachener Liedertafel Single präsentiert. Was leider im Dunkeln bleibt, ist die Beantwortung der Frage: Welche der beworbenen Platten aus dem Bereich ‚Unterhaltung’ denn jetzt tatsächlich ‚DIE SCHALLPLATTE DES MONATS’ sein sollte?! Schön auch die Bezeichnung SCHLACHTLIED für unser aller Alemannia-Lieblingslied.

12. November 2009

>TROPI-COMBO – et Fozze-Leddche

Filed under: Öcher Karneval — babula @ 4:11 pm

Nachdem im Blog bereits eine frühe dada-istische Großtat von Allo Pach mit (s)einer ‚Independent-Veröffentlichung der Aachener Liedertafel von 1962’ dokumentiert wurde, und somit auch die ‚Öcher Mundart’ von einem der Blogbetreiber zurecht zur (Untergrund)-Kultur erklärt wurde, möchte ich ein weiteres Kleinod der Versenkung und Vergessenheit entreißen. Es gibt nichts, was es nicht gibt, wie der betagtere Zeitgenosse immer wieder zu sagen weiß. Man höre bitte dazu den Soundfile des Solowerkes der TROPI-COMBO, die eigentlich Mitglieder eines ‚nicht eingetragenen Vereins’ von St. Josef, der mindestens 45 Aktivisten umfassenden und 1970 gegründeten TROPI-GARDE, waren. Das zweideutige und unterproduzierte Werk mit dem verfänglichen Titel ‚ET FOZZE-LEDCHE’ wurde auf Vinyl gebannt und – wie auch immer – unters Volk gebracht. Das von mir ergatterte Exemplar schien auf SEHR große Begeisterung gestossen zu sein, denn wie man dem Soundfileproblemlos entnehmen kann, wurde diese Single von dem damaligen Eigentümer hundertfach gespielt.UNBEDINGT ANHÖREN – MEHR AACHEN geht nicht !!

http://www.divshare.com/flash/playlist?myId=9323550-d55

Download

29. Oktober 2009

>Das BAVARIA Kino am Holzgraben

Filed under: Aachener Kinos — babula @ 2:48 pm

Eine meiner ersten Erinnerungen an das BAVARIA datiert zurück zum Spätsommer 1973. Als Wirtshauskind stromerte ich tagtäglich durch die Aachener Innenstadt und wich dabei immer wieder hektisch der Straßenbahn aus, die zu der Zeit an der oberen Adalbertstrasse ihre letzten Runden drehte. Einem 10-jährigen fielen natürlich die 2 Rettungswagen auf, die seit einigen Tagen, von mittags bis ich nach Hause musste, vor dem Bavaria standen. Wie ich zu meiner Überraschung erfuhr, waren die Rettungssanitäter vonnöten, da DER EXORZIST gezeigt wurde und die Leute reihenweise aus den Kinos liefen und ärztlich versorgt werden mussten. Man mag dies heutzutage kaum noch glauben, aber ICH war Zeuge. Ich ließ keine Vorstellung (vor dem Kino wohlgemerkt) sausen und stand die ganze Zeit vor dem Lichtspielhaus, um zu sehen, was passiert. McDonalds gab’s da übrigens noch nicht! Und es stimmte wirklich…Frauen (und Männer!!) torkelten wie benommen aus dem Kino (während der Vorstellung versteht sich), teilweise kotzend oder aber kreidebleich und einer Ohnmacht nahe. Mindestens 4 oder 5 mal sind die Sanitäter ins Kino gelaufen und kamen mit jemandem auf einer Trage liegend heraus. Dies alles hatte damals einen tiefen Eindruck hinterlassen und ich wäre nicht für 50 Mark (damalige Unsumme für einen Knirps) in den Film gegangen. Die Hose gestrichen voll, vor allem, weil ich zum ersten Male miterlebte, dass bei einem Film KEINE der (von mir) so begehrten Filmszenenbilder in den Schaukästen hingen, sondern nur schwarze Streifen mit Text, auf denen stand dann inhaltlich etwa so was wie: ‚Aus rechtlichen und gesundheitlichen Gründen dürfen für diesen Film keine Fotos gezeigt werden…’ . Noch härter waren aber die riesigen ROTEN Pappstreifen, wo warnend stand, dass Personen unter 21 (!!!) Jahren und Schwangeren (!!!), kein Einlaß gewährt werden kann. Die Streifen umrahmt von kleineren Streifen mit der Aufschrift: STRENGE Passkontrolle – oder so etwas in der Art. Ein knappes Jahr später entdeckte ich dann ein kleines Loch unter einem Bauzaun an der Rückseite des Kinos (ungefähr da, wo heute der Haupteingang der Mayerschen ist). Es war sehr beschwerlich dadurch zu kriechen, doch wenn dies unbemerkt geschafft war, dann konnte man durch eine verständlicherweise nicht verschlossene Notausgangstüre durch endlos lange Gänge (zumindest schienen sie MIR damals so) zur Rückseite der Filmleinwand gelangen, wo ich dann bis der Hauptfilm anfing, ängstlich kauerte, um dann harpunenartig zur ersten Reihe zu stürzen und dann beispielsweise, für mein Alter völlig ungeeignete,HARTE Italo-Western zu sehen. Tja…lang ist’s her…und was dann aus ‚meinem’ Bavaria wurde, sieht man auf dem Foto.

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