Aachener Untergrund Kultur

27. November 2011

Fluxus in Aachen – sprudelnde Vielfalt

Filed under: Aachen-international, Audimax, Avantgarde in Aachen, ernste Musik, Film in Aachen, Konzerte in Aachen — Schlagwörter: — Dieter Antonio Schinzel @ 2:43 pm

Sprudelnde Vielfalt 1

In keinem Aktionskunst-Geschichtsbuch fehlt es: das Foto von Joseph Beuys, wie er sich am 20. Juli ’64 beim Fluxus-Festival im Aachener Audimax eine blutige Nase holte. Damit war die Verbindung von Avantgarde, katholischer Symbolik, Gewalt in der Provinz und AStA-Kulturreferat gelegt, die noch ein paar Jahrzehnte lang fruchtbar bleiben sollte.

Beuys, bis dato noch spätexpressionistischer Bildhauer, fand an diesem Abend die Formel für den Rest seiner Karriere. Interessanter für Untergrundkulturelle waren die anderen Beteiligten im Audimax: Henning Christiansen, Robert Filliou, Tomas Schmit, Ben Vautier, Wolf Vostell und Emmett Williams. Wir zitieren Seite 13 des informativen Buchs mit dem denkwürdigen Titel Wollt Ihr das totale Leben? Fluxus und Agit-Pop der 60er Jahre in Aachen, das 1995 vom Neuen Aachener Kunstverein veröffentlicht und von uns in einem Amsterdamer Ramschbuchladen gefunden wurde:

Das Aachener Festival hatte auch aus künstlerischer Sicht weitreichende Folgen; die zahlreichen, vor allem wegen des Tumultes erschienenen Presseberichte machten die Fluxus-Kunst nicht nur innerhalb der kleinen Szene bekannt oder lockten auswärtige Künstler ins Rheinland. Für die Fluxus-Künstler selbst bedeutete der ’20. Juli‘ ein Heraustreten aus der Galerie- und Insider-Atmosphäre in die größere Öffentlichkeit.

Kaum überraschend jedoch das Fazit:

Der Stellenwert des ‚Festivals der Neuen Kunst‘ ist in der Geschichte der internationalen Aktionskunst sehr hoch angesetzt, für die lokale Kunst- (und Hochschul-) Geschichte spielte es bisher kaum eine Rolle.

Immerhin gründete der Veranstalter, Architekturstudent und AStA-Kulturreferent Valdis Abolins, gemeinsam mit vier anderen Studenten 1965 eine „Galerie Aachen“, die bis zu ihrer Pleite ’67 unter anderem die Fluxus- und Aktionskünstler Dick Higgins, Alison Knowles, John Latham und Per Kirkeby sowie Nam June Paik und Charlotte Moorman für Live-Auftritte in die Stadt holte. Der AStA organisierte 1965 ein gemeinsames Konzert von Michael von Biel und Cornelius Cardew (mit Stücken von John Cage und LaMonte Young) sowie einen Auftritt des Living Theater. Dem Filmstudio der Hochschule ist ein Abend mit Wolf Vostell und Kurt Kren im Jahr 1967 zu verdanken, der RWTH-Fachschaft Architektur eine Aktion von Günter Brus im Jahr 1968.

Sprudelnde Vielfalt 2

Am Ende des Buchs heisst es treffend:

In der Rückschau betrachtet ging die seltene und faszinierende Aktionsheinheit von künstlerischer Avantgarde und studentischer Oppositionsbewegung in der 68er Zeit allmählich ihrem Ende entgegen. Sie mündete in eine Polarisierung von radikal-politisierter Studentenschaft und sich wieder institutionalisierender Avantgarde-Kunst. […] Nachdem 1968 durch den Sammler Peter Ludwig, der selbst einige Male in der Galerie Aachen Eröffnungen beiwohnte, erstmals Pop Art ins Suermondt-Museum hineingebracht worden war und 1970 dann die „Neue Galerie der Stadt Aachen“ eröffnet wurde, hielt die Moderne ihren Einzug auch in kommunale Kulturinstitutionen und bürgerliche Sammlerkreise.

Wir werden in lockerer Folge über Fluxus und seine Aachener Nachwirkungen berichten. Frage an unsere Leser: War jemand bei den Aktionen in den 60er Jahren dabei? Sind die „Aachener Jazzmusiker“ Feldmann/Flimm/Haselhorst/Kreusch/Werth/Zabka beim Konzert von Biel und Cardew die Vorläufer des legendären Scratch Orchestra, in dem u.a. auch Brian Eno, Eddie Prevost, Keith Rowe und Stefan Szczelkun spielten? Und wer weiß mehr über die Kunstinitiative „Gegenverkehr“, die 1968 der „Galerie Aachen“ nachfolgte?

6. Februar 2010

>HUMAN LEAGUE Audimax 1980

Filed under: Audimax, Konzerte in Aachen — Allo Pach @ 11:50 pm

Erwartet hatte ich vier Elektronik-Freaks hinter ihren Synthies, stattdessen gab es nun aber die poppige Version der Band (mit 2 Sängerinnen) zu sehen, denn im Oktober ’80 hatten Ian Craig Marsh und Martyn Ware Human League verlassen und Philip Oakey hatte die Band „umgestaltet“, um den vertraglichen Verpflichtungen der anstehenden Europatour gerecht zu werden. Die „neue“ Band spielte ein Programm mit Stücken von „Reproduction“ und „Travelogue“, an „Boys and girls“ kann ich mich auch erinnern, „Dare“ allerdings war noch nicht in Sicht.
Trotzdem war es ein nettes Konzert! Gab es eine Vorgruppe?
Human League sollen auch schon früher in Aachen gespielt haben, hat jemand Infos?

2. Februar 2010

D.A.F. Aachen 1981

Filed under: Aachen in den 80ern, Audimax, Konzerte in Aachen — Allo Pach @ 7:40 pm
…und Allo war wieder ganz vorne dabei…
D.A.F. im Aachen 1981, daran erinnere ich mich wirklich noch sehr gut, sie spielten nur wenige Tage nach Fehlfarben im Audimax, Ungewöhnlich war, dass ein nettes Mädel für jedes Stück eine neue Cassette einlegte— trotzdem überzeugte das Konzept alle Punker…Vorgruppe war Wirtschaftswunder (oder?). Hat jemand Fotos oder Tapes?

28. Dezember 2009

>RENAISSANCE Audimax 25.03.1972

Filed under: Aachen in den 70ern, Audimax, Konzerte in Aachen — Allo Pach @ 10:17 am

Aus dem Archiv von Paul Mono:
„Ganz rätselhaft aber kam mir die Nichtübereinstimmung meiner Erinnerung mit den Angaben auf der Renaissance-Karte daher. Ich war und bin immer noch der Meinung, daß ich damals die Renaissance-Urbesetzung gesehen habe. Ganz sicher bin ich mir auf Jane Relf und Louis Cennamo, denen ich in einem Abstand von nur wenigen Metern ins Gesicht geschaut habe. Da aber das Konzert, wie auf der Karte zu sehen ist, am 25.März 1972 stattgefunden hat, ist das praktisch unmöglich, d.h. es müßte die Besetzung mit Annie Haslam als Sängerin gewesen sein. Hier wäre ich wirklich froh, wenn jemand Klarheit schaffen könnte. Zumindest kann ich aber noch eine Geschichte zum Besten geben, die noch am selben Abend kolportiert wurde.
Angekündigt waren Renaissance mit Audience als Vorprogramm. Nun gab es kurz vor dem Auftritt einen Ärger mit dem Hausmeister des Audimax, der das Konzert von beiden verhindern wollte mit der Begründung, er sei diesen ständigen Krawall bei Rockkonzerten leid. Gemeint war die damals beliebte Veranstaltung „Wir stürmen den Saal“, um Leuten ohne Eintrittskarte kostenlosen Zugang zu gewähren. Hört sich alles wilder an, als es in Wirklichkeit war, aber für einen Hausmeister dieser Zeit galt das als (vorsichtig ausgedrückt) höchst unanständiges Benehmen. Schließlich hatten die Veranstalter ihn aber überzeugen können, daß Renaissance eigentlich keine Rockgruppe sei, sondern mehr modernisierte Klassik spielen würden (was ja zumindest keine so grobe Lüge war), so daß er die Schlüssel dann dochrausgerückt hat, allerdings mit der Auflage, daß Audience nicht spielen dürfe. Über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte kann ich zwar nicht befinden, aber das Konzert war hervorragend.“

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