Aachener Untergrund Kultur

16. Oktober 2021

ENK, Schattenhören (e-book)

Filed under: Aachener Untergrund, Avantgarde in Aachen, ENK, Neros tanzende Elektropäpste — Dieter Antonio Schinzel @ 9:35 am

Exklusiv hier in der Aachener Untergrund Kultur: ein elektronisches Buch von ENK, mit neunundsechzig zwischen 2016 und 2018 entstandenen Gedichten bzw. Neros tanzende Elektropäpste-Songtexten.

Leseprobe:

Trojanisches Nilpferd

In der stiller Apotheke,
teakfurniert zur Geisterstund,
biegt ein Nilpferd mit Monokel
Vektor und Quadrate rund.

Armer Ritter jodelt bitter,
rüttelt Südwind da am Tor?
Seitenfenster auf dem Rücken,
Rückspiegel am linken Ohr

Nilpferd in der Apotheke,
sein Gerippe knarrt aus Holz.
Speit Gebirge, tanzt auf Krücken.
Furzgewitter donnert stolz.

Nilpferd in der Apotheke,
sein Gerippe knarrt aus Holz.
Speit Gebirge, tanzt auf Krücken.
Furzgewitter donnert stolz.

Pieepenkötter! Pieepenkötter!
scheppert blechern der Alarm.
Manchem Merkel-Imitator
wird es in der Burka warm.

Armer Ritter jodelt bitter,
bunt kariert der Widersinn.
Sterne bleichen und ermatten.
Trotzig schwappt sein Doppelkinn.

Nilpferd mit Monokel tanzte
einst als Star beim Flohzirkus.
Greint im wilden Fiebertraume:
Schluss, Verdruss, kein Mohrenkuss.

In der stillen Apotheke
stand ein Nilpferd, ganz aus Holz.
Tanzte Charleston, rauchte Berge,
ward zum Vektor und zerschmolz.

In der stillen Apotheke
stand ein Nilpferd, ganz aus Holz.
Tanzte Charleston, rauchte Berge,
ward zum Vektor und zerschmolz.

Rotes Laubwerk voll Gitarren
säuselt leise: Tetrapack!
Und die stille Apotheke
sinkt hinab als Ubootwrack.

Applaus von den Insekten,
die in Genschers Turban steckten.
Von gelb und schwarz Gefleckten,
die in Merkels Burka zeckten.

In der stiller Apotheke,
teakfurniert zur Geisterstund,
bog ein Nilpferd mit Monokel
Vektor und Quadrate rund:

Trojanisches Nilpferd.

 
(Aachen, 8.10.2016)

Inhaltsverzeichnis:

  1. Der Wahnsinn lacht
  2. Drei sonderbare Eier
  3. 9 oder h (Der Zettel)
  4. Zwiebelmettwurst löst Großbrand aus
  5. Im Vatikan ist Vatertag
  6. Verbietet endlich das ö !
  7. Oh Bama, oh Lama, oh Sama
  8. Ökomenisches Doppelsonett
  9. Kulinarisches aus Köln
  10. Die Seekuh, die nur Plastik frißt
  11. Kulinarisches aus Sachsen
  12. Ich lebe in China
  13. Die Pyramiden von Bielefeld
  14. Vom Schicksal skalpiert
  15. Die Pizza, die sich selber aß
  16. Der deutsche Adel hungert
  17. Onkel Fischbeins Dämonen
  18. Die Glatze von Prinz C
  19. Wiedersehen als Teppich
  20. Wer stahl die Briefe der Gorgonen
  21. KAMPFjodeln (im Traumvulkan)
  22. Der Zooch kütt!
  23. Groß und herrlich ist die Zeit
  24. Im Badezimmer steht ein Pferd
  25. Obdachloser Pudel
  26. Rätselvoll ein Kunstbein spricht
  27. Die neue Walküre (Schwarzer Faschingsdienstag
  28. Der Chiemsee hustet fahl und laut
  29. Mädchen, melkt den Schraubensarg
  30. Zwei Giraffen in der Elbe
  31. Rund ums A zurück
  32. Der unsichtbare Apfelbaum
  33. Tage der magischen Mango
  34. Liebeslied, perforiert (nach Edgar Firn)
  35. Schutzmann verschluckt Palmen
  36. Wer rudert auf der Jenseitswiese
  37. Marsch der dürren Schweine
  38. Die Köche vom Hunde-Grill
  39. Kawumm! Gebet detoniert
  40. Der Nähkorb von Mata Hari
  41. Ein Jahr mit 8 Promille
  42. Sprachlos ruft derweil das Zimmer
  43. Hörspielmontage – 6 dänische Hexen im Bund mit dem Papst
  44. Hildegards Sexkloster
  45. Bruitismus, Japanische Jazz-Infanterie
  46. Frag den Rabbi (ohne Bilder)
  47. Ich wünsch mir einen Dexit
  48. Das Schwein, das Konfuzius Erdbeeren fraß
  49. Kalashnikov verfehlt Minister
  50. Misstraut den Eunuchen
  51. Mandy Pfeffer und die Pfandbriefe
  52. Seither schielt er
  53. Nachts, im Regen (Hörspiel-Montage)
  54. Lukrezia und Homunkulus I
  55. Lukrezia und Homunkulus II
  56. Der Teppichhai
  57. Trojanisches Nilpferd
  58. Indica la luna
  59. Dem Honecker sein Hund
  60. Islamisten im Gorillakostüm
  61. Der Antichrist aus Würselen
  62. Da möchte man ein Fahrrad sein
  63. Drehwurm
  64. Springprozession um den Sperrholzthron
  65. Der See hat keine Zebrastreifen
  66. Anubis sitzt im Palmenhain
  67. Falschgeld aus Bolivien
  68. Parbleu! der Buddha knattert
  69. Schattenhören

Das e-book kann hier im EPub-Format (für alle gängigen e-book-Lesegeräte außer Amazon Kindle, sowie für Mobiltelefone mit geeigneter Lese-App) sowie im PDF-Format heruntergeladen werden:

Schattenhören-EPub (diesen Link bitte kopieren und per Hand in den Browser setzt – wird leider durch WordPress gesperrt)

Schattenhören-PDF

3. Oktober 2021

GOLD EXTRA Nr. 8

Filed under: ENK, Neros tanzende Elektropäpste, Reinfall Tapes — Schlagwörter: , — Dieter Antonio Schinzel @ 8:34 pm

Dank unseres Lesers kilowatt (Klaus Wittmann) hier ein frischer Scan der wohl letzten, 1982 erschienenen Nummer des legendären Aachen-Herzogenrather Fanzines GOLD EXTRA (siehe auch hier, hier, hier und hier).

In dieser Nummer kehrt GOLD EXTRA zum klassischen Fanzine-Format zurück, mit u.a. Konzert- und Tonträgerbesprechungen und Bandporträts, neben freieren Texten und Tiraden (den direkten Vorläufern von Formaten wie „100 Zeilen Hass“, mit denen Kolumnisten von 80er Jahre-Zeitgeist-Postillen ihre Mainstream-Karriere machten). Das Heft enthält zudem ein zweiseitiges Interview mit Frank Papst Buchholz. Neben ENK sind auch Silvio Franolic (Reinfall Tapes) und „Dietr“ (Gitarrist von „Rückstand„) als Macher dabei.

Und noch ein Nachtrag zur Entstehungsgeschichte von GOLD EXTRA Nr. 8 von ENK:

„Der Herzogenrath-Bezug (ich machte in dem Kaff Abitur) kam von Schunt, einem peripheren SPEX-Schreiberling, der in H’rath seinen Zivildienst leistete. Er stellte auch den Kontakt zu einem Niederbardenberger Aktionskünstler her, der gerade für die Documenta einen alten Zigarettenautomaten vorbereitete. Für den 30 (?) gleichgroße/ -kleine, identische Objekte gebraucht wurden, um eine Säule in dem Teil aufzufüllen.

Wir nahmen drei kurze Stücke auf, eins mit dem Korg MS-20 – meinem ersten Synthesizer – und Bass von meinem alten Akkordeon.

Stellten dann aber fest, dass die Tapes nicht in die Zigarettenschachteln passten – herrlich! Worauf ich nach der Kopierarbeit stundenlang Tapes aufschraubte, die beiden Bandschnecken in Silberpapier packte und Schunt dann das Ergebnis dem Aktionskünstler übergab. Auf diese Weise habe ich auch mal an einer Documenta teilgenommen, hoho – die Aufnahmen allerdings meine zig Umzüge später nicht überstanden. Beziehungsweise habe ich nach den drei Jahren Riad, meiner ‚Feuertaufe‘ als Dozent nach dem Doktorat, alle Aufnahmen eigener Musik digitalisiert und dabei kein Vierspurtonbandgerät zur Verfügung gehabt.

Die Masteraufnahmen gingen verloren, waren aber eh nur Chaos – doch lustig.“

Bei dem Aktionskünstler handelt es sich übrigens um Karl von Monschau, einem Mitbegründer des Neuen Aachener Kunstvereins. Die deutschsprachige Wikipedia schreibt dazu in ihrem Artikel „Kunstautomat„:

„Die Idee des Kunstautomaten haben als eine der ersten die beiden Künstler Karl von Monschau und Willy Gallinowski 1979/80 im Ludwig Forum für Internationale Kunst [gemeint ist wohl die Neue Galerie Aachen, der Vorläufer des Ludwig Forums – Red.] in Aachen verwirklicht und nachfolgend 1982 auf der documenta 7 vor dem Fridericianum (Kassel) einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.“

Und weiterhin die Bitte: Wer GOLD EXTRA Nr. 3 zuhause rumliegen hat, bitte hier melden!

6. Dezember 2014

Neros tanzende Elektropäpste im Science Fiction-Park Bundesrepublik

Science Fiction Park Bundesrepublik, Plattencover

Der geschätzte Felix Kubin hat unter dem Titel Science Fiction Park Bundesrepublik eine Best-of-Doppel-LP westdeutscher Cassettentäter-Musik der Frühachtziger veröffentlicht. Die Auswahl ist gelungen. Neben unbekannten Tracks bekannter Musiker wie Holger Hiller, Pyrolator und Chrislo Haas/Beate Bartel finden sich obskure Highlights vom Hildesheimer Pissende Kuh-Cassettenlabel (aus dessen Umfeld Film- und Theaterregisseur Wenzel Storch stammt) und damals umtriebige Cassettentäter wie Z.S.K.A. und Frank Schröder.

Science Fiction Park Bundesrepublik, Track list

Weshalb wir das hier vermelden: Track Nummer 3 der ersten LP ist „Der singende Lenorhaushalt“ von Neros tanzenden Elektropäpsten, 1982 auf der zweiten NTEP-Cassette Porträt einer Legende erschienen.

Damit haben es Neros tanzende Elektropäpste nach 32 Jahren aufs ZickZack-Label geschafft, auf das ihre Musik unserer Meinung nach schon damals gehört hätte.

Besprochen wurde Science Fiction-Park Bundesrepublik unter anderem im Freitag („Dabei sind einige der hier versammelten Stücke schlicht unhörbar, aber darum geht es nicht“) sowie im neuen WIRE (der die LP durch seinen britischen Krautrock-Obsessionsfilter laufen ließ: „the autobahn-hogging bassline of Plastiktanz‘ ‚Pelikan’… Frank Schröder’s ‚Ohne Titel‘ … evokes in kosmische-tinted form, some of the meditative, mid-life blues of Bob James‘ classic theme from US TV comedy Taxi“).

16. Juni 2012

30 Jahre Sprudelnde Vielfalt

Heute, auf den Tag genau, dreißig Jahre: Die Veröffentlichung von Sprudelnde Vielfalt, dem legendären Reinfall-Tapes-Sampler, ist nun genau so lange her wie seinerzeit (’82) die Gründung des Elvis-Presley-Plattenlabels Sun Records (’52).

Zur Feier dieses schönen Tags hat das Rotterdamer Duo Neuropäpste eine holländische Küchencoverversion von Omas Hirnströme eingespielt, im Original einer der zwei Samplerbeiträge von Neros tanzenden Elektropäpsten. Hier das Musikvideo:


Oma’s hersengolven

Bloggen auf WordPress.com.