Noch mehr historische Reinfall Tapes-Rezensionen

Matthias Lang, Macher des Fanzines Irre, blieb auch Ende des Jahres 1982 seiner Liebe zu Aachener Reinfall-Tapes treu – siehe unsere beiden früheren Beiträge – und rezensierte drei weitere von ihnen in der Dezember-Nummer von Scritti, jener kurzlebigen Frühachtziger-Spex-Alternative, an der u.a. der spätere Musikindustrieboss Tim Renner sowie Krawall-Anwalt Joachim Steinhöfel mitwirkten. Die Kollegen von Tape Attack haben gerade einen Scan des Hefts online gestellt. Zitate von Seite 19 und 20 (mit originalbelassener Rechtschreibung):

NERO’S TANZENDE ELEKTROPÄPSTE
Portrait einer Legende
C-30
Hier mal wieder ein echt gutes Synthi-Tape. Die Songs sind alle sehr sehr interessant aufgenommen, teilweise mit Gesang. An manchen Stellen taucht eine rhythmische Funkgitarre auf, die den Sound jedoch nicht wesentlich verändert. Wie ihr aus meinen Besprechungen vielleicht schon bemerkt habt, stehe ich auf weißen Funk. Hier allerdings nur angedeutet, die Hauptmerkmale setzt der Synthesizer.

T E Musik / II
C-30
Das zweite Tape von T.E. Hier möchte ich auch gleich auf sein anderes Werk hinweisen, daß einige absolute Knüller enthält. Jedoch enttäuscht mich dieses Werk hier ein wenig. Zu wenig neues gibts zu hören, doch das alte wird in guter Manier serviert. Die einzelen Stücke sind sehr konservativ gespielt, mit einem guten Punkeffekt versehen. Anspieltips gibt’s keine, hört euch diese Cassette mal an.

Sprudelnde Vielfalt
Sampler 2 C-60
Der zweite Sampler vom Reinfall Label. Mit dabei natürlich alle bekannten Reinfall Gruppen und Solisten: Kronprinzen /  Zeitzeichen / Reinfall Duo / Seltsame Zustände / Rückstand / Perlen vor die Säue /Abnorm / T.E. Musik / Neros tanzende Elektropäpste. Die Musikrichtung ist so, wie es auf einem Sampler sein soll. Abwechselnd, einfallsreich und gekonntes mit amateurhaftem vermischt. Hervorheben möchte ich die Beiträge von Rückstand (siehe dazu letzte SCRITTI, Rückstandtape) und T.E. Musik, dessen erster Song “Disziplin”  stimmlich sehr an BAP erinnert. Kommt wohl daher, daß T.E. Kölner ist. Dann noch sein zweiter Beitrag: “Körper”… und sie kommen in weißen Anzügen und tragen deinen Körper weg…”. Ein guter Überblick über das Reinfall-Label, die schon mehrere gute Tapes veröffentlicht haben.

Elektropapst ENK klebte die Rezension von “Portrait einer Legende” in seinen Fanzine-Artikel über Neros tanzende Elektropäpste, der ’83 in der siebten Nummer von Irre erschien, womit sich der Kreis schloss. Und schrieb einen Leserbrief in Spex, der mit dem Satz endete: “Die Scritti schlägt Euch um Längen”. (Falls jemand den noch hat, bitte scannen und uns schicken.)

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CAPITOL Kino vor u. nach dem Krieg

Vom letzten übrig gebliebenen “schönen” Kino Aachens war mir überhaupt nicht bekannt, dass es von 1930 (Eröffnung) bis zur Zerstörung 1944 im “Hochhaus” am Bahnhof untergebracht war. Interessant auch: es war mit 1500(!) Plätzen Aachens größtes Kino, aber nach außen nur durch eine Neonreklame (s. Foto) zu erkennen. Man kann nur hoffen, dass das “neue”, 1958 errichtete Capitol am Seilgraben nicht auch noch irgendwelchen duften Einkaufcentern zum Opfer fällt. So was geht ja manchmal ruckzuck – und weg ist es… Dank an Silke!

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EDEN Kino – Historie

Das Eden/Eden-Palast (zwischenzeitlich auch mal umbenannt in Thalia, Odeon etc.) ist wohl das dienstälteste und auch beständigste Kino in Aachen. Es diente in früheren Zeiten auch als Theater, für Cabaretaufführungen und Musikkonzerte. Vom späten 19. Jahrhundert bis heute durchlief es etliche Um- und Wiederaufbauten, sowie Umwandlungen und trotze letztlich 2 Weltkriegen. Ganz schön geschichtsträchtig! Die vorliegenden Seiten geben wohl den umfassensten Überblick über den Werdegang des Edens, der jemals zusammengetragen wurde. Dank an Silke.

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Rückstand Live

Gerne greife ich Dieter Antonios irre 5 Artikel auf und ergänze weiteres Material zum Thema Rückstand. Rückstand sind, lt. eigenem Bekunden, seinerzeit mindestens 25 mal aufgetreten, Dokumente über die Auftritte aber ausgesprochen rar. Die einzig bekannten Fotos sollen beim besprochenen Auftritt im Saarland entstanden sein und offenbar  verschollen.  Ein Artikel über ein Festival im End-Art in Düren, mit Rückstand Beteiligung, findet sich in der Ausgabe 24 (!?) des dürener Fanzines “Gulli”. Verantwortlich für die sehr persönliche Beschreibung des Konzertes zeichnete sich Gitta Moschik (lebt die noch?). Neben Frau Moschik war übrigens Thomas Elbern Mitherausgeber des Fanzines.

Audio Material des End-Art Konzertes liegt nicht vor, aber ein anderer Auftritt vom Dezember 1981 wurde mitgeschnitten. Von dem Tape wissen selbst Rückstand nichts. Ein Ausschnitt des  Tondokuments unten als Downloadlink. Absolut unveröffentlicht und exclusiv!

http://www.megaupload.com/?d=CES07CPX

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Live-Audiokommentar: Aachen Special

Beim Live-Audiokommentar, der jeden zweiten Monat in der Raststätte stattfindet, werden normalerweise merkwürdige Filme aus aller Herren Länder gezeigt und live kommentiert. Für eine der kommenden Ausgaben ist aber eine kleine Abweichung des Konzepts geplant: Gezeigt wird dann kein Spielfilm, sondern mehrere kleine Schnipsel, die alle einen Bezug zu Aachen haben. Um den Abend möglichst prall und abwechslungsreich zu gestalten, ist hier die werte Leserschaft gefragt: Habt ihr Material, das in diesem Zusammenhang aufgeführt werden sollte? Dann her damit! Egal, ob experimenteller Kurzfilm, schlimmes Heimvideo, uralte Dokumentation oder krachiger Konzertmitschnitt, alles ist willkommen! Schickt euer Material an karlpach[at]web.de – wir freuen uns über jeden Beitrag! Der genaue Termin der Veranstaltung wird dann hier noch prominent bekannt gegeben und an diverse Klotüren geschmiert.

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Allo Pach Tram Werbung Vol.2

Nachdem Karl die Rubrik “Tram-Werbung” vor einiger Zeit eröffnet hat, folgt nun Volume 2.  Die Aachener Strassenbahnwerbung scheint doch sehr von Möbelhäusern dominiert gewesen zu sein, Reklame hiesiger Schallplatten- und Hifigeschäfte findet sich recht selten. Hier aber nun 2 Fotos mit Allo Pach Werbung aus dem sehr empfehlenswerten Buch “Euregio Tram Revue”: zuerst die Linie 15 (die ja bis zum bitteren Ende, 1974 noch fuhr) in der Peliserkerstrasse, am Bunker, Datum ist unklar, dann die Linie 1 (Hbf-Haaren?), hier an der Metzgerstrasse (8/1958).

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Rückstand, TE Musik, Abnorm und Perlen vor die Säue in “Irre” 5/82

Cover Irre 5

Die Kollegen von Tape Attack haben gerade einen Scan der fünften Nummer von “Irre” veröffentlicht, zu seiner Zeit (’82) eines der wichtigsten Fanzines aus und über die deutsche Cassettenlabel-Subkultur. “Irre”-Macher Matthias Lang (hier und hier neuere Interviews mit ihm) war zwar kein Aachener, sondern wohnte in Ramstein, widmete sich hier aber ausführlich dem Aachener Musikwesen aus dem Umfeld der Reinfall-Tapes. Anlass dafür war wohl ein Auftritt der Reinfall-Supergruppe Rückstand im Saarland. Hier der Konzertbericht im launigen, “Sounds”-geschulten typischen 80er-Jahre-Stil:

Rückstand live

Als ich hörte, daß Rückstand in unserer Gegend (im tiefsten Saarland) spielen würde, war mir klar, daß ich das hinmußte. Wo doch 1. die Gruppe tolle Musik macht und 2. der ENK vom Goldextra den Bass spielt. Klare Sache, daß auch die saarländische Fanzineszene gut vertreten war durch Walter (Mitty) und Martin (Uder). Ebenso war Mr. Kurt Scheiber aus Windsheim da, der mich vor dem Konzert liebenswürdig drum bat (!!!), ja auch zu kommen (Hiermit grüße ich alle). Publikumsmäßig (so fängt jede LiveKritik an) waren folgende Sparten da: Punks, die laufend um Geld bettelten, Hippies, der schlimmsten Sorte, rocker, die etwas spät kamen, normalsterbliche (ich) und einige undefinierbare. Das Konzert begann so um 10 Uhr + endete 1 Stunde später. Rückstand spielte sehr gut, sehr funkig/tanzbar und insgesamt 12 Songs, darunter INDUSTRIESTADT/EINE KUGEL/KEINLANDINSICHT….! Der Sound war etwas übersteuert, aber ich habe schon schlechteres gehört. Vor und nachdem Konzert unterhielt ich mich ein wenig mit Kolleggen, man tausche Tapes. Mehr gäbs nicht zu sagen, ach ja, von Rückstand gibts saubillige Tapes in sehr guter Qualität, Adresse irgendwo weiter hinten….

An diesem Abend gingen wohl ein paar Reinfall-Tapes aus dem Reisegepäck von Rückstand-Schlagzeuger und Labelboss Silvio Franolic in den Besitz von Matthias Lang über. (Umgekehrt tauchten damals im Sortiment von “Mono”, wo Silvio noch als Paul Steinbuschs Kompagnon arbeitete, saarländische Tapes u.a. von Andi Arroganti auf.) Denn auf den hinteren Seiten des Hefts lesen wir folgende Besprechungen:

TE Musik/ Licht und Luft gibt Saft und Kraft
Reinfall Tapes

Zunext einmal die Mitteilung, daß es ein sehr gutes Tape ist, aufgenommen 79-82 in Köln und M-gladbach. Stilistisch bunt gemischt, etwas instrumental, etwas funk, etwas punk, viel gesang, teilweise (überwiegend) guter Gesang, wirklich sehr gut. Der Song ‘Disziplin’ erinnert ein wenig an BAP, wie gesagt, ein wenig. Der letzte Song auf Seite 1 ist dann sehr traurig gehalten: ‘Körper’. Männer in weissen Anzügen kommen und tragen Dich weg….. Das Tape ist nicht nur sehr gut (Prädikat Label: Wertvoll) sondern mit DM 4.– für jeden erschwinglich.

Eine Seite weiter:

Abnorm / Leise flehen meine Lieder c-30 ReinfallTapes, 5120 Herzogenrath, Bodelschwinghstr. 6

Dieses Tape wird von Peter Horton eröffnet mit einem seiner tollen TV Ansagen (letztes Mal traf ich einen Freund, er setzte sich ans Klavier, ich sang…), dann gehts allerdings ziemlich geordnet chaotisch weiter, das erste Stück auf Seite B super funkig, mit einer echt guten Funkgitarre, schnell gespielt. Gegen Schluß von Seite B dann noch ein langsameres Stück, schon leicht in Jazz Gefilden zuhause, aber alles in allem ein Klasse Tape, mit einer Qualität, wie’s besser wahrscheinlich nicht geht.

Und:

Perlen vor die Säue c-30 ReinfallTapes

Auch hierüber nicht viele Worte, ein gutes abwechslungsreiches Synthitape mit vielen guten Ideen, die Freunde [sic!] und Spaß machen. Eine Empfehlung des Hauses

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