Aachener Untergrund Kultur

18. August 2016

Charlotte Moorman – Galerie Aachen 25.07.1966

Filed under: Aachen in den 60ern, Aachen-international, Avantgarde in Aachen — karl pach @ 6:25 am

FKK Cellistin und Performancekünstlerin Charlotte Moorman trat vor ziemlich genau 50 Jahren in Aachen auf. Die Ikone der Fluxus Bewegung konzertierte in der „Galerie Aachen“zusammen mit Nam June Paik unter dem Motto „So langweilig wie möglich“. Dem Alga Marghen Label gebührt Dank und Anerkennung für die Veröffentlichung des Konzerts auf Tonträger.

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Zum Reinhören gibt es die John Cage Komposition (Track 4) im jugendfreundlichen MP3 Format: http://www.file-upload.net/download-11858941/04Track04.mp3.html

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17. August 2016

Aachener Aborte Teil 6

Filed under: Aborte, Uncategorized — karl pach @ 10:31 am

Im altehrwürdigen Audimax habe ich diese großartigen Räumlichkeiten vorgefunden. Die sanitären Anlagen scheinen noch zur Erstausstattung des Gebäudes zu gehören. Eine Pilgerstätte für Freunde guter Architektur. Ein tolles Detail ist der Sound der hochhängenden Spülkästen: deutliches Einschaltgeräusch, langes Vorgurgeln, WUSCH.

Die Damenabteilung hatte ich aus verständlichen nicht besucht. Dokumente und Erfahrungsberichte werden aber gerne entgegengenommen.

11. Januar 2016

Würselen 1979

Filed under: Aachener Umland — karl pach @ 8:21 am

Bei Youtube hat der Film und Fotoclub Würselen Bardenberg ein charmantes Filmdokument abgelegt. Passt nicht wirklich zum Thema Untergrund hat aber Unterhaltungswert:

Würselen ist vielleicht bekannt als Durchgangsstation der jährlichen Pilgerfahrt nach Duffesheide…

22. Oktober 2015

SMC Labelgeschichte Pt.1

Filed under: Aachen in den 70ern, Aachener Label, Aachener Musikszene — karl pach @ 11:05 am

Das SMC Label ist ein wichtiger Baustein Aachener Untergrundgeschichte. Herr Cryftz hatte sich dankenswerterweise zusammengenommen und mal angefangen einen chronologischen Abriss der Labelgeschichte zu Tastatur zu bringen:

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Das Bildnis zeigt einen verträumten jungen Mann, der 1975 eine spinnerte Idee hatte.

Es war die Vision einer freien Musiker-Kooperative in der sich Musiker aller Stilrichtungen treffen sollten, um in wechselnden Besetzungen neue Wege der Klangerzeugung zu gehen.

Ich hatte damals erst zwei Jahre zuvor mit dem Trommeln begonnen und darin eine meiner großen Leidenschaften entdeckt.

Ich weiß noch, wie ich eines Abends mit meinem alten Sauf-Kumpan Erlend nach einem Jazz-Konzert im Malteserkeller abhing und ihm meine Vorstellungen von dieser Sache zu erläutern versuchte. Wie dem Kind einen Namen geben? Trotz aufrichtiger Bemühungen war eigentlich nix Gescheites dabei und als wir schon aufgeben wollten, kam dann einer von uns beiden auf die glorreiche Idee, sie „Einfache-Musik-Kooperative“ zu nennen, „ver-englischt“ dann: „Simple Music.(ian) Cooperation“ – kurz „SMC“.

So wurde an jenem Abend unter unwürdigen Umständen ein Label gegründet, dass 40 Jahre später (hätte mir das damals einer erzählt, ich hätte ihn für durchgeknallt erklärt) immer noch existieren würde.

Für mich persönlich sehr hilfreich waren die Erfahrungen, die ich durch das Zusammenspiel mit diversen Jazz-Musikern in diesen Jahren machte. Besonders hervorheben möchte ich die denkwürdigen Sessions mit den beiden Free-Jazz-Schlagzeugern Paul Lovens und Paul Lytton. Deren Interpretation von neuem Schlagzeugspiel war für mich als Neuling faszinierend und sollte auf mein eigenes Trommeln später nicht unerheblichen Einfluß haben.

Müßig darüber zu schreiben, welchen Instrumentariums sie sich bei ihren Konzerten bedienten, man mußte es einfach gesehen haben, es war der absolute Wahnsinn und kann nur mit ärmlichen Worten beschrieben werden.

Es war eine wilde Zeit, in der es vornehmlich allen darum ging, alte, festgefahrene und erstarrte Strukturen aufzubrechen und neuen Klangwelten Raum zu geben. A jolly good time was!

Mich reizte vor allem die Überlegung, ob diese völlig freie Art des Musikmachens, welche ich aus dem Jazz kennengelernt hatte, auf das Genre der Rockmusik übertragbar sei.

Viele Weggefährten zählte ich auf dieser Reise durch neue, phantastische Klangwelten, wobei nicht alles automatisch auch gut war, nur weil es neu war. Aber es erweiterte den eigenen Horizont ungemein, die Sensibilität für das Spiel mit anderen wurde durch die Improvisation merklich gesteigert. Es waren blutige Anfänge, aber sie bildeten die Basis für die nachfolgenden Bands kommender Jahre unter diesem Label – so unterschiedlich sie auch sein mochten!
Wo Bild- und Tonmaterial noch in einigermaßen erträglichem Zustand sich erhalten haben, wurden sie den Postings beigefügt!
In diesem Sinne: Ab dafür!

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Blattgrün

Nach zahllosen Sessions mit unterschiedlichsten Musikern war Blattgrün die erste „richtige“ Band unter dem SMC-Label. „Richtig“ in dem Sinne, dass hier zum ersten Mal eine feste Besetzung über einen längeren Zeitraum zusammenspielte.
Hier wurde zum ersten Male versucht Rock-Strukturen und freie Improvisationen miteinander zu verbinden – mit manchmal gutem und manchmal auch zweifelhaftem Erfolg.
Die Besetzung von links nach rechts:
Erlend Remie – guitar & bass
Don Alkebulan – percussion
Mike Molotov – drums & metals
Thorwald Menzel – organ
Gunnar Schillings – bass, guitar & vocals
Das Foto gibt die Szene wider, als ich – zum wiederholten Male – die beiden Streithähne Erlend und Gunnar zum Handschlag mit „Versöhnung“ auffordern mußte, da sich die beiden Herren zum x-ten Mal darüber in die Haare gekommen waren, wer denn nun „Haupt-Gitarrist“ und „Haupt-Bassist“ dieser Kapelle sei – eine Frage, die ich auch heute, nach 35 Jahren – nicht beantworten kann.!
Stark von Bands wie „Amon Düül 2“ und „Gong“ beeinflußt fand sich die Gruppe Mitte der Siebziger im musikalischen Niemandsland der „Nach-Hippie“- und „Vor-Punk“- Bewegung wieder.

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800 Phon Group

Besetzung v.l.n.r.:
Erlend Remie – guitar & bass
Gunnar Schillings – bass & guitar
Willi Kappes – vocals, guitar & keyboards
Mike Molotov – drums & metals
Thorwald Menzel – organ

Irgendwann 1977 traf ich Willi Kappes, der damals in Aachen einen Ruf als skurrilster „Allein-Unterhalter rockig-experimenteller Prägung“ hatte und sprach ihn nach einem Solo-Konzert am Elisenbrunnen auf seine musikalischen Vorlieben an. Er lud mich damals zu sich nach Hause ein und noch bevor es zu einem Gespräch kam, mußte ich mir alle Presseberichte Aachener Zeitungen über seine nicht wenigen Konzerte in Aachen und Umgebung ansehen, durchlesen und kommentieren. Willi war schon ´ne Marke!

Das war ein denkwürdiger Nachmittag für mich bei ihm zu Hause und lange noch mußte ich über dieses Treffen bei ihm nachsinnen. Kurz darauf durfte ich das legendäre Willi Kappes- Konzert in der „Neuen Galerie“ miterleben, das sogar mitgeschnitten wurde und wo der Aufnahmetechniker, wie der Kassierer und der Solist auf der Bühne in Personalunion Willi Kappes war. Das Konzert war irre – anders kann man es nicht beschreiben – „Soldatenlied“ und „Engel des Todes“ waren die Hits und ich kann mich gut erinnern, dass nach ein, zwei Gitarrenriffs eine Textzeile kam, dann wieder ein Riff – wieder eine Textzeile – und so fort, aber niemals zusammen. Ohrenbetäubender Sound aus einem selbstgebasteltem Equipment und seine kehlige, sich manchmal überschlagende Stimme forderten dem Zuhörer das letzte ab!

Später entdeckte und kaufte ich den Live-Mitschnitt auf Single (weltweite Auflage: 200 Stück) und bin stolzer Besitzer dieses Meilensteins Aachener Untergrund-Kultur!

Nach diesem Konzert trafen wir uns zu einigen „Proben“ im SMC-Keller, damals in der Schule Beekstraße – es war die Blattgrün-Besetzung ohne Don, aber dafür mit Willi!

Und Willi wollte uns als seine Band called: „Willi Kappes 800-Phon-Group“!

Es waren chaotisch-infernalische Klang-Gewitter, die da auf uns alle einströmten und wir hatten einige Tage alle unseren Heidenspaß, mußten aber nach wenigen Wochen mit zerrütteten Nerven aufgeben.

Die Idee einer gemeinsamen Band hatte sich nicht durchsetzen können – wenn sie überhaupt zu einem Zeitpunkt jemals ernst gemeint war! Es gab Ton-Aufnahmen dieser denkwürdigen musikalischen Zusammenkünfte, wurden aber bei einem Wohnungsbrand in Erlend´s WG von den Flammen zerstört! So sind die einzigen Dokumente einige wenige Foto´s – aber was soll´s – that´s Life!

Noch eine Anekdote zum Schluß:

Jahre später traf ich Willi an der Theke des „UKW“ und er erzählte mir voller Stolz, dass er sich innerlich immer als Frau gefühlt habe und nun hochdosierte weibliche Hormone nehme. Als Beweis knöpfte er sein Hemd auf, nahm meine Hand und führte sie an seine Brust – und ich hatte eine Weibs-Brust in der Hand bei gleichzeitigem Blick vis-a-vis in ein Drei-Tage-Bart- Männergesicht!

 

Die Geschichte wird fortgesetzt…

Leben und Sparen Nr.1 Fanzine

Filed under: Aachen in den 80ern, Aachener Musikszene, Fanzine — karl pach @ 10:51 am

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Tapeattack Tommys unermüdlichem Untergrundwühlen ist es zu verdanken das auch folgendes Fanzine ans Tageslicht kommt. Angesichts der damaligen Auflage einigermaßen verblüffend das ein „Leben und Sparen“ heutzutage auftaucht.

Hier auch zum Download:

Leben & Sparen 01-83 (Aachen) Fanzine `831.

oder direkt bei Tapeattack.

 

13. Juli 2015

Zehntausend „Aus`m Keller“ Tape

Filed under: Aachener Bands, Aachener Musikszene — karl pach @ 8:32 am

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Nach langer Zeit gibt es mal wieder was auf die Ohren. „Aus`m Keller“ ist eines der beiden, mir bekannten, Tapes von Zehntausend. Das andere Werk „Hinaus in die Ferne“ hatten wir vor einer Weile schon gepostet. Das Inlay gibt leider keine Infos über Erscheinungsjahr, Mitwirkende, o. Ä. preis. Vermutlich ist die Kassette ca. 82/83 rausgekommen und bestimmt ist Jupp Preußen dabei (lebt der noch?).

Allerherzlichsten Dank an Tapeattack`s Tommy!!!

Im MP3 Hifi Format zum Download:

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Seite 2

22. Mai 2015

Moondog – Vortrag in Aachen

Filed under: Aachener Veranstaltungsstätten — karl pach @ 9:07 am

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Der Verein Mehrwert e.V., hat Volker Zander aus Köln eingeladen, So 31.05, abends, hält er einen interssanten Vortrag über Moondog, weil er sich gewundert hat warum und wie es den Komponisten und Musiker in die Gegend um Recklinghausen verschlagen hat. Er hat dann geschaut welche Verknüpfungen gab es da mitte der 70er Jahre, von Hippiekommunen zu einem Konzert mit Kraftwerk usw.

9. Februar 2015

Aachener Prisma

Filed under: Aachen in den 60ern, Aachen in den 70ern, RWTH — karl pach @ 12:59 pm

Das Aachener Prisma war das Organ des ASTA der RWTH von 1953 bis 1982. Folgend einige Impressionen zu dem Thema. Die Ausgaben des Zeitraums von 68 bis 75 erscheinen mir am fruchtbarsten. Die Hefte liegen leider  nur gebunden vor, was das Scannen schwierieg macht wenn die Bindung nicht gebrochen werden soll, daher die teilweise schiefen Scans. Fangen wir an mit einer Selektion von Titelblättern, beginnend mit dem  magischen Jahr 1968:

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Weltklasse hatten die Grafiken von Klaus Endrikat. Dieser zeigte sich für viele Titelblätter verantwortlich und bereicherte auch durch großformatige grafische Beiträge:

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Die redaktionellen Beiträge berührten hauptsäcklich Unithemen, lokales kam leider zu kurz. Ein Leuchtturm allerdings, ist die original „Allo Pach Topliste“ (oben links):

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Lokale Politgrössen (Hust), die teils noch heute in Amt und Würde sind, taten sich hier schon zur Studentenzeit hervor. Artikel zur SP Wahl 68 :

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Im frechen „klau mich“Outfik kam 68 der Sonderteil „PUSH“ daher:

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Ich hatte es zuerst für ein Versehen gehalten, aber der Titel wurde später tats. so korrigiert (kein Scherz…):

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Lange vor Charlie Hebdo gab es auch sowas:

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68 ging man tats. auch hier auf die Straße. Kann das Foto oben rechts nicht zuordnen, ist das tats. Aachen?

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Frauenseiten:

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Wichtige Ankündigung:

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18. Dezember 2014

Schnappschüsse vom Straßenrand

Filed under: Aktionskunst — karl pach @ 2:02 pm

Folgend einige, im Vorbeigehen, flott mit dem Telefon fotografierte Kleinigkeiten.

Hübsche Aufkleberserie mit hilfreichen Tips…

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Segen…

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Die folgenden 2 Fotos widme ich dem AZ…

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Preiserhöhung der Würselener Spaßbar. Bei der letzten Plakataktion kostete der Spaß nur 30 Euro, siehe den Artikel: Würselen läßt die Hose runter. Hat jemand den Service schon getestet?

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2. September 2014

Zeittotschläger

Filed under: Aachen in den 80ern, Aachener Umland — karl pach @ 1:35 pm

Klaus Wittmann, Untergrund Urgestein und Zuträger dieses Blogs hat ein Buch geschrieben. Die Thematik passt prima hierher, daher darf auch die Beschreibung und Kaufempfehlung durch den Autor folgen:

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Zeittotschläger
Teenage, Punk, Postpunk, New Wave
und die Gleichzeitigkeit des realen Lebens.
Ausgangspunkt: Raum Aachen
Trickbeat, Sozialmafia, Play for Roses, Parkhaushänker, Hervé & kilowatt, Moriticians, Seltsame Zustände, Turquoise Casket, Bierfront, P 5, Hauptquartier usw.
Ein kenntnisreicher Roman, bei dem Wahrheit und Dichtung Hand in Hand gehen.
. Buch-Neuerscheinung
. Titel: Zeittotschläger
. Autor. Klaus Wittmann
. Format: pdf-Datei, ca. 2,2 MB (ca. 300 Druckseiten).
. Preis: 16,90 Euro
. Bezug: zeittotschlaeger@freenet.de
. Exposé / Klappentext.
Wie sieht ein Leben aus, wenn es auf den Popkosmos reduziert wird?
Morrissey: „Ich glaube, Musik kontrolliert ganz massiv das Leben der meisten Menschen. Jeder hat doch eine Platte, die ihn ernsthaft sein ganzes Leben überprüfen lässt. Als ich jünger war, hat mich Musik komplett geprägt. Und in England ist es ganz bestimmt so, gerade in den kleineren Provinzstädten. Die Leute haben dort nichts außer der Musik, das ist ihr ganzes Leben.“
„Wir waren Zeittotschläger, wegen Camp Sophisto und Annette, und die Freiheit war die Freiheit, die Nächte um die Ohren zu schlagen. Wir waren glücklich. Aber es reichte nicht immer.“
Zeittotschläger – aus den Kriegstagesbüchern.
Es geht um Popmusik, wie sie Leben beeinflusst und manchmal, wie sich Musik und Leben gegenseitig bedingen. Von 1978 über 2005 in die Zukunft, von den Bay City Rollers zu Spearmint, von Queen zu Pulp, von Birth Control zu den Melvins, von den Slits zu Erase Errata. Ein kenntnisreicher Bericht über Punk und die Folgen. Und über die Suche nach dem perfekten Popsong, die schließlich ganz unerwartet in einer kleinen miesen Spelunke mit Erfolg bedacht wurde.
Gleichzeitig geht es um erwachsen werden und erwachsen sein in der Popkultur. Um die Widersprüche zwischen dem Dasein im Bürgerlichen und im Underground. Über Freundschaften, meistens oberflächlichen, vorübergehenden, aber auch längeren und lebenslänglichen und wieder über Musik, die funktioniert, weil sie Freundschaften definiert und schließt. Nebenbei wird die These bestätigt, dass Jungs auf Konzerten
keine Mädchen kennenlernen. Widersprüche und offene Stellen werden nicht ausgeschlossen. Wie im wahren Leben
Und so erfahren wir, warum „Monarchie und Alltag“ und „Heaven up Here“ die besten Pop-LPs aller Zeiten sind, warum ein Punk für den Staat freiwillig arbeiten kann, dass John Peel der einzige der Welt war, und warum Popmusik glücklich macht, zumindest grundsätzlich. Zumindest Kai Wiedemann, neben der Pop-Musik die Hauptperson dieses Buches.
. Auszug.
1985
kam die Zeit, in der die Wochentage zu Wochenenden wurden und das Leben voranpfeilte. Die Nächte in den Clubs, frühmorgens um drei im Rauchschweiß alles klar sehen, alles durchschauen im Schwarz Violett Weiß des lautlos zeitlos fließenden Lichtlichts, dass es still war, das Medium Musik den Raum und das Dasein halluzinativ erweiterte. There is no Shuffle.
1985 handelte nur von Klarheit. Die Klarheit zu wissen, was man nicht braucht: kruschpelndes Menscheln, siehe Öko, siehe Gesprächskreise, vergleiche Gitarre am Lagerfeuer. Was ich von der Uni zu halten hatte, wusste ich auch schon: Während der 13 Semester war ich nur auf ziemlich genau ein bis zwei Unifeten, eine davon die Erstsemesterfete im Oktober 1984. Da stand der junge Student auf dem Balkon des Ché-Hauses, die Krawatte flatterte kühn im Wind und der Altsemesterbart, der ihn ansprach, verstand überhaupt nichts, als er fragte, ob er sich nicht einer kleinen Gruppe anschließen wollte, man habe gerade so viel Spaß im dialektischen Infinitiv. There is no rest for the wicked one. Der Feind ist nicht das falsche Deutsch, sondern das falsche Denken. Ich verließ den Ort, hinter mir alles kaputtverlassend, wegfliehen vor dem Vorhersehbaren & Vergänglichen, der Deutsch- und Dummheit. Folglich sah mich die Uni nur zu Pflichtveranstaltungen, Diskutieren war mir zuwider, ich wollte einfach machen. Städte planen übrigens. Create the room in which you do it.
Außerdem war mein Spieltrieb doch ausgeprägter als mein Hang zum alltäglichen Masochismus, die Einsamkeit musste endgültig sein, ebenso wie die Ewigkeit, das Bier. Hin zu weißen Blättern, zu Gedankenmanuskripten, um 4 Uhr morgens hirnmasturbierend in einer Präzisierungslawinenwut runtergestanzt und bereits nach ermattendem Schlaf einschließlich tuffsteinernem Knurpsen im Schädel in der Morgendämmerung nur noch unverständlich. Tough town / cruel touch: Sonic Youth, geboren aus Glenn Branca’s Gitarrenmanifisten, gaben den kommenden Jahren eine Melodie, also einen Halt.
So wurde ich zu einem Gänger der Nachtstädte, wo sich Menschenskinder trafen, die noch nicht zu sich selbst gefunden hatten, dies aber nicht wussten. Die anders sein wollten, aber auf die Gelegenheit warteten, auszusteigen oder die dies niemals wollten oder niemals konnten.
Sie waren einsam. Aber die Musik war Laibach Neubauten Nick Cave Birthday Party Pogues Jesus and Mary Chain Front 242 Neon Judgement Sonic Youth und wieder neu The Cure, die damals gerade so wirres überdrehtes Hitzeugs hatten und den ’87-Durchbruch einleiteten. Und ganz viel Bone Orchard, am besten drei Mal täglich. Leben ohne Musik? Barbarei, Kälte, Tod. Die Musik, wie wunderbar! Die Tänze, wild+würdig, hochgeschossen und seelenbrennend leidend, die Gespräche im Bier vom Ausdruck leer+gut wie eine sinnentleerte mathematische Formel, allen Argumentationen gegenüber erhaben. Den Beweis trat niemand an. Kam jemand
hinzu, brachen die Gespräche ab, entwickelten sich neu. Wer sich nicht begeistern konnte für Fleshtones Cramps Alemannia Degraa Mädchen Pop, war dümmer, als er tat. Das kleinkleine irdische Dasein wurde vergessen gemacht, das Mittelmaß überschritten. Sie lasen die Prawda. Sich jederzeit der letzten 4000 Jahre Menschheitsgeschichte bewusst sein! Jede Nacht, jede neue tolle Platte brachte sie weiter. Die bunten Variationen der PostPunkära.
/ Und niemals schlafen / alles lügen / staubiges Vergnügen / Telefon! Zieh! /
Vormittags war der Schlaf so Kein Schlaf, aber ein eigentliches Umspültwerden von Knochen + trockenem Sekt, der die Chemie aus den Nervenporen drückte. Alles durchzogen vom Haargel der Nacht zuvor.
Wir gingen ins P 5. Ins Aachener „Batcave“ brachen die bunten Variationen der neuen Ära auf und fanden Heimat: Blitz-Kids, Prolls, bleichgesichtige Napalmblondinen, Bohemians, Njupunx, Schwarzkittel und all die anderen, die noch nicht wussten, dass es sie morgen nicht mehr geben würde. Wir gingen jeden Freitag, jeden Samstag und manchmal zwischendurch – nach 23 Uhr, denn vorher war „nichts los“, bis 2 Uhr, bis 3 Uhr, bis 4 Uhr. Von außen war der Laden völlig unscheinbar, nur eine schwarze Tür mit einem verspiegelten Rundfenster zwischen innerstädtischen Schaufenstern der 1b-Lage, einem Juwelier und einem Modegeschäft. Kein Schriftzug. Nur die Hausnummer: „5“. Peterstraße 5. Nichts ist ohne Geheimnis. Hinter der Tür bewachte meistens Noppi einen nachtblauen, langen, schmalen und niedrigen Gang, der eine rechtswindende Treppe in den Keller hinunterführte. Fluchtweg Fehlanzeige – im Brandfall wäre jeder einzelne Silberfisch erstickt. Links eine „Garderobe“, dahinter ein Raum in Form eines Boomerangs: Rechts der Tresen und die Toiletten, links die Tanzfläche, dazwischen die Turntables. Größe: Vielleicht 100 m²? Die Wände waren nicht verspiegelt, teilweise schwarz. Das Bier kam merkwürdiger Weise aus dem Elsass. In Aachen war es nur hier erhältlich, unterstrich das Ungepasste und wurde aus Flaschen getrunken. Wir standen und tranken ohne Trinkzwang die Biere in den Bauch. Wir schwiegen viel und schauten den anderen zu, wie sie uns zuschauten. Wenn wir tanzten, dann zeigten wir das eigene Leiden am Zustand der Welt und des Ichs. Wenn wir redeten, dann laut und mit großen Gesten, über Platten, Bands, Konzerte und Mädchen. Wir waren Zeittotschläger, wegen Camp Sophisto und Annette, und die Freiheit war die Freiheit, die Nächte um die Ohren zu schlagen. Wir waren glücklich. Aber es reichte nicht immer.
. Unter anderem spielen mit:
Eschweiler (aka Indestadt), Aachen, Übach-Palenberg, Köln, Bochum, Hanau, Hamburg, Echo and the Bunnymen, Fehlfarben, Sonic Youth, Blumfeld, Birthday Party, Coil, Big Black, Smiths, The Fall, Spearmint, Art Brut, Erase Errata, DAF, SPK, Melvins, Altered Images, Abwärts, And also the Trees, Foyer des Arts, Malaria, Gang of 4, Yo la Tengo, Associates, Nick Cave & the Bad Seeds, Cocteau Twins, Mighty Lemon Drops, Godfathers, Lydia Lunch, Ideal, My Bloody Valentine, I ludricous, Throw that Beat in the Garbagecan, Sugarcubes, Nirvana, Die Toten Hosen, Heaven 17, Au Pairs, Jesus and Mary Chain, Walkabouts, Joy Divsion, Nichts, Something to Burn, Specials, Strokes, Cabaret Voltaire, Marc Almond, Family 5, Die Goldenen Zitronen, Max Goldt, Laibach, Neon Judgement, Morticians, John Peel, Cassettentäter, Hervé & kilowatt (aka Die Klobürstenköppe), Die Parkhaushänker, Seltsame Zustände, Trickbeat (aka Kickbeat), Play for Roses, Egotrip, Sozialmafia, Turquoise Casket, Graf Haufen, Bierfront, Purer Spaß (aka Der Springende Punk), Klenkes, Hauptquartier, P5, Luxor, Rose Club, Metropol, Ritz, Fabrik, Audimax, Pandora’s Box, Pinkpop, Hurricane, Spuugh, Ku-Ba, Zeche, Markthalle, Große Freiheit, Logo, usw. usf.
. Setlist
0 Zappen: Geschichten der Matchbox-Generation
I (It’s the Beginning of a) New Age
II Welcome to the Eighties / Nineties
III If the Kids are united
IV Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein
V Neue Zähne für meinen Bruder und für mich
VI I live in Siberia / through no Fault of my own
VII Country Girl became Sex Drug Punk Squatter
VIII Wir bauen eine neue Stadt
IX Simple Stuff
X Die Rückkehr des gigantischen Sommerhits
XI Here comes another Winter
XII Over the Wall (Liebe ist möglich)
XIII Hamburg
XIV Retro
XV Auslaufrillen
. Gibt es den Roman auch gedruckt?
Das Manuskript stand kurz vor der Veröffentlichung als gebundenes Buch. Das Lektorat war abgeschlossen. Aufgrund von Bedenken der Verlagsleitung gegen einige Passagen wurde die Veröffentlichung gestoppt.
. Recht haben.
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