Aachener Untergrund Kultur

22. Mai 2015

Moondog – Vortrag in Aachen

Filed under: Aachener Veranstaltungsstätten — karl pach @ 9:07 vormittags

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Der Verein Mehrwert e.V., hat Volker Zander aus Köln eingeladen, So 31.05, abends, hält er einen interssanten Vortrag über Moondog, weil er sich gewundert hat warum und wie es den Komponisten und Musiker in die Gegend um Recklinghausen verschlagen hat. Er hat dann geschaut welche Verknüpfungen gab es da mitte der 70er Jahre, von Hippiekommunen zu einem Konzert mit Kraftwerk usw.

9. Februar 2015

Aachener Prisma

Filed under: Aachen in den 60ern, Aachen in den 70ern, RWTH — karl pach @ 12:59 nachmittags

Das Aachener Prisma war das Organ des ASTA der RWTH von 1953 bis 1982. Folgend einige Impressionen zu dem Thema. Die Ausgaben des Zeitraums von 68 bis 75 erscheinen mir am fruchtbarsten. Die Hefte liegen leider  nur gebunden vor, was das Scannen schwierieg macht wenn die Bindung nicht gebrochen werden soll, daher die teilweise schiefen Scans. Fangen wir an mit einer Selektion von Titelblättern, beginnend mit dem  magischen Jahr 1968:

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Weltklasse hatten die Grafiken von Klaus Endrikat. Dieser zeigte sich für viele Titelblätter verantwortlich und bereicherte auch durch großformatige grafische Beiträge:

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Die redaktionellen Beiträge berührten hauptsäcklich Unithemen, lokales kam leider zu kurz. Ein Leuchtturm allerdings, ist die original “Allo Pach Topliste” (oben links):

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Lokale Politgrössen (Hust), die teils noch heute in Amt und Würde sind, taten sich hier schon zur Studentenzeit hervor. Artikel zur SP Wahl 68 :

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Im frechen “klau mich”Outfik kam 68 der Sonderteil “PUSH” daher:

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Ich hatte es zuerst für ein Versehen gehalten, aber der Titel wurde später tats. so korrigiert (kein Scherz…):

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Lange vor Charlie Hebdo gab es auch sowas:

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68 ging man tats. auch hier auf die Straße. Kann das Foto oben rechts nicht zuordnen, ist das tats. Aachen?

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Frauenseiten:

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Wichtige Ankündigung:

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19. Januar 2015

Das Universum des Bruno Sukrow

Filed under: Film in Aachen — Bübbes Kehr @ 11:27 nachmittags
Dracula in Afrika (2013)

Dracula in Afrika (2013)

Auf der Suche nach künstlerischen Innovationen sind es nicht immer die jugendlichen Rebellen, bei denen man fündig wird: Ein aktuelles Gegenbeispiel aus Aachen ist der 1927 in Berlin geborene Maschinenschlosser Bruno Sukrow, der im Jahr 2010 das Erstellen von Animationsfilmen am Computer für sich als Hobby entdeckte und seitdem unermüdlich etwa alle drei Monate ein neues Werk produziert.

Tauchfahrt ins Verderben (2013)

Tauchfahrt ins Verderben (2013)

Diese wurden zunächst nur – ähnlich der altbekannten Dia-Abende – der Verwandschaft bei gemeinsamen Treffen vorgeführt, bis Sohn Robert, selbst Filmemacher, Autor, Performance-Künstler und Betreiber des sympathischen Kulturraums L__rzeichen in der Viktoriastraße den Kurzfilm “Saturnus” (den man auch bei Au Hurgebiet II sehen konnte) einigen Freunden zeigte, die ob der einzigartigen Beschaffenheit dieses Films direkt in heftigste Verzückung gerieten.

Trommeln am Okawango (2014)

Trommeln am Okawango (2014)

Bruno Sukrow animiert seine Filme mit dem iClone-Programm und sprach zunächst alle Stimmen (auch Frauenfiguren) selbst – mittlerweile wird er aber durch ein Netzwerk von Fans, Freunden und Verwandten unterstützt. Seine Inspiration stammt hauptsächlich aus der Pulp-Literatur seiner Jugend und er hat mittlerweile alle möglichen Genres – Abenteuer, Horror, Krimi, Science-Fiction, Western – abgedeckt. Charakteristisch ist dabei auch ein ganz eigener Humor, der zumeist in den Dialogen, aber auch in kleinen Details der Bildgestaltung zum Vorschein kommt.

Anna (2014)

Anna (2014)

Mittlerweile werden seine Filme weit über Aachen hinaus geschätzt, zu den Premieren reisen Filmfreunde aus Köln an, Anfang dieses Jahres erbebte die Leinwand beim 14. außerordentlichen Filmkongress des Hofbauer-Kommandos in Nürnberg und in der nächsten Woche wird sein Psycho-Drama “Anna” beim Internationalen Filmfestival Rotterdam gezeigt! Möge der Siegeszug weiter voranschreiten! Wer sich detaillierter informieren will, findet auf dem Aachener Filmblog Hard Sensations mehrere Rezensionen seiner Filme sowie ein erfrischendes Interview mit dem Meister.

21. Dezember 2014

ULTRA – Delirious elaborations 4 CD Box (DOM USA)

So kurz vor dem Fest noch ein duftes Weihnachtspräsent von DOM AMERICA (weiland ab ca. 1986/1987 die amerikanische Filiale des Aachener DOM Labels): Endlich gibt es nun alle Werke von ULTRA, der Band aus Aachen (2/3) und Seattle (1/3) im digitalen Format, …hat ja immerhin ca. 25 Jahre gedauert.
Die 4 CD Box enthält die LPs ‘Youthful Pleasures’ (1986/87), ‘Zoll’ (1988/89), ‘Spray/Death/Ultra’ (1991) und die Kompilation ‘Roman Holiday’. Dies ist (fast) das gesamte Material, das das Original ULTRA lineup (St Degeneratus/Jon Carlson, Dr Tengelmann/Achim P. Li Khan und Herr Mücke/Christoph Hemann) in den Mitt- und Spät-80ern (zum großen Teil) beim armen Ramon produziert hat.
Die Box ist recht nett aufgemacht, die CDs kommen jeweils in eigener Mini-LP-Stecktasche mit neuem Artwork (ich dachte erst, es wär die Antoniusstraße…), das Booklet enthält Texte, Fotos von original Werbeflyern und (etwas knappe) Linernotes und ist zu einem wirklich unschlagbaren Preis ($ 20!!!) zu bekommen.
Also zugreifen!
http://domamerica.bigcartel.com/product/ultra-delirious-elaborations-4-cd-box-set

ULTRA Box

18. Dezember 2014

Schnappschüsse vom Straßenrand

Filed under: Aktionskunst — karl pach @ 2:02 nachmittags

Folgend einige, im Vorbeigehen, flott mit dem Telefon fotografierte Kleinigkeiten.

Hübsche Aufkleberserie mit hilfreichen Tips…

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Segen…

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Die folgenden 2 Fotos widme ich dem AZ…

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Preiserhöhung der Würselener Spaßbar. Bei der letzten Plakataktion kostete der Spaß nur 30 Euro, siehe den Artikel: Würselen läßt die Hose runter. Hat jemand den Service schon getestet?

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6. Dezember 2014

Neros tanzende Elektropäpste im Science Fiction-Park Bundesrepublik

Science Fiction Park Bundesrepublik, Plattencover

Der geschätzte Felix Kubin hat unter dem Titel Science Fiction Park Bundesrepublik eine Best-of-Doppel-LP westdeutscher Cassettentäter-Musik der Frühachtziger veröffentlicht. Die Auswahl ist gelungen. Neben unbekannten Tracks bekannter Musiker wie Holger Hiller, Pyrolator und Chrislo Haas/Beate Bartel finden sich obskure Highlights vom Hildesheimer Pissende Kuh-Cassettenlabel (aus dessen Umfeld Film- und Theaterregisseur Wenzel Storch stammt) und damals umtriebige Cassettentäter wie Z.S.K.A. und Frank Schröder.

Science Fiction Park Bundesrepublik, Track list

Weshalb wir das hier vermelden: Track Nummer 3 der ersten LP ist “Der singende Lenorhaushalt” von Neros tanzenden Elektropäpsten, 1982 auf der zweiten NTEP-Cassette Porträt einer Legende erschienen.

Damit haben es Neros tanzende Elektropäpste nach 32 Jahren aufs ZickZack-Label geschafft, auf das ihre Musik unserer Meinung nach schon damals gehört hätte.

Besprochen wurde Science Fiction-Park Bundesrepublik unter anderem im Freitag (“Dabei sind einige der hier versammelten Stücke schlicht unhörbar, aber darum geht es nicht”) sowie im neuen WIRE (der die LP durch seinen britischen Krautrock-Obsessionsfilter laufen ließ: “the autobahn-hogging bassline of Plastiktanz’ ‘Pelikan’… Frank Schröder’s ‘Ohne Titel’ … evokes in kosmische-tinted form, some of the meditative, mid-life blues of Bob James’ classic theme from US TV comedy Taxi”).

30. November 2014

Purer Spaß mit Hervé & KiloWatt

Filed under: Uncategorized — Dieter Antonio Schinzel @ 11:17 nachmittags
Purer Spaß Nr.1

1982-1983 schrieben, collagierten und fotokopierten Hervé und KiloWatt das Fanzine “Purer Spaß” in Eschweiler. Mittlerweile stehen alle vier Nummern (1, 2, 3, 4) bei unseren Kollegen von Tape Attack.

Titelbild und Editorial der ersten Ausgabe geben schon eine kleine Vorahnung der späteren Stadtplaner-Laufbahn von Macher KiloWatt/Klaus Wittmann:

In Eschweiler fehlt etwas (ach was). Kaum zu glauben. Hier gibts ein Rathaus, welches ich extra zu diesem Zweck zerstören ließ, puren Spaß zu haben, ist mir nichts zu teuer, in Parkhaus, Straßen (kaum zu glauben), einen Fluß (Wird Zeit, daß DU einmal hineinspringst, denn dann kommst du, ja DU, entwickelt wieder raus), Zeitungen, einen Stadtwald, eine Autobahn, dr3i Festhallen, potentionelle, professionelle Rockbänds, ein Rockfestival, Alt-Hippies – eingehüllt in Ach-wie-süße-Hasch-Mariuhana-Wolken-Schwaden – und Pseudo-Punx etc… Eines schönen Tages, als ich unschuldigerweise wieder einmal 2 Groschen in eine hungrige/gefräßige/gierige Parkuhr schlitzte/steckte, fiels mir wie der Schornsteinfeger von der Leiter (aua); EscHweIlerR fehlt – ein – Fanzine. Und, Halloooochen, Willkommen, hier ists! FREUDESCHOENERGOETERRFUNKENFREUDESCHOENERGOETTERFUNKEN

Ansonsten finden sich in den Nummern u.a. Verweise auf den Mit-Eschweiler Theo Trickbeat sowie zahlreiche Rezensionen von Reinfall-Tapes und Artverwandtem aus der damaligen deutschen Cassettentäterszene.

29. November 2014

Hervé & KiloWatt, Liebe ist: wenn man andere mitmachen läßt

Filed under: 1982, Aachen in den 80ern, Aachener Bands, Aachener Musikszene, Aachener Umland, Aachener Untergrund, Cassetten AC — Dieter Antonio Schinzel @ 3:09 nachmittags
Hervé & KiloWatt, Liebe ist...

Hervé & KiloWatt, Liebe ist…

Unsere Kollegen von Tape Attack haben die Cassette “Liebe ist: wenn man andere mitmachen läßt” von Hervé und KiloWatt (alias HKW) veröffentlicht, die 1982 unter dem Motto “Hören – ne Pizza legen – den Löschköpfen zum Fraß vorwerfen” auf eigenem Label erschien. Zitat vom Cover:

Wie macht man eine Cassette, wenn man außer Klarinette kein Instrument beherrscht?
Ganz einfach:
Man nehme einen selbstgebastelten Synthii, ein paar Werkzeuge, die man gerade zur Hand hat und mische alles mit einer Portion Fritten Phantasie.
Das Ergebnis?
Hört Euch unseren Schund an!
Diejenigen Komma die uns Gleichgesinnte Prolobands nennen Komma sind selbst zu feige / faul / blöd / phantasiearm, was eigenständiges zu produzieren. Punkt Amen

Hinter KiloWatt steht bekanntlich unser Blog-Mitarbeiter Klaus Wittmann, dessen 80er Jahre-Erinnerungs-Ebook Zeittotschläger wir hier nochmals wärmstens empfehlen. Auch die Entstehungsgeschichte dieser Cassette wird darin rekonstruiert:

Die SOUNDS veröffentlichte gleich in der ersten Ausgabe, die ich kaufte, die Adresse von Silvio aus Herzogenrath, der auf seinem Label REINFALL den Aachener Sampler SO NICHT herausgab. Unglaublich, wer da wenige Kilometer von uns entfernt elektrisierenden Krach machte: Z.B. URIN, ABSTAND, NEROS TANZENDE ELEKTROPÄPSTE, TIEFPUNKT, ZUKUNFTSWEISENDE ZUSAMMENKUNFT, DIE KURSCHATTEN, ABNORM, KURZSCHLUSS und KEINE AHNUNG. “Das ist die neue Zeit / Das ist das Ende” , hieß es, und “Deutschland brennt” , aber auch Dada-Hits wie “2 Füller und 1 Kamm” . Wir waren auf-der-Stelle aufgeregt und von einem unbekannten Fieber erfasst: Was wir da hörten, war völlig neu, klang aufregend, unkonventionell. Man brauchte keine millionenschwere Ausrüstung und keinen polierten Sound! Als dann auch noch “Da vorne steht ne Ampel” von DER PLAN und frühe Sachen von ANDREAS DORAU aus dem Radio schepperten, war uns klar: “Das können wir auch!” Das Prädikat “Punk” erlaubte Dilettantisches und Primitives und schuf eine neue Bewertungsebene: Deine Kunst muss nicht ausgereift sein, nur phantasievoll, energisch und gegen den Strom. Nach den Hausaufgaben wurden wir zu Hervé & kilowatt bzw. den PARKHAUSHÄNKERN […Copyright des Textes bei Klaus Wittmann]

Das Herunterladen der digitalisierten Hervé/Kilowatt-Cassette lohnt sich gerade auch wegen der Beileger-Texte, wie z.B. diesem hier:

Eines schönen Tages in der nahen Zukunft werden wir alle, die wir uns Mensch nennen, auf unseren Buden / Zimmern / Appartements hocken, eingeschlossen von großer eisiger Leere, umgeben von Kochtöpfen und Casios®, Magnettonbändern und Radios und eingewickelt in Kopfhörer, Knöpfen und Phantasie. Wir werden unsere Tonträger nur noch zum eigenen Konsum herstellen, die Kommunikation ist abgebaut, die Straßen / Wege und U-Bahnen sind leergefegt.

8. November 2014

Au Hurgebiet III am 28. November!

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Für die dritte Ausgabe unseres Filmabends wurde wieder eine Menge historisches und hysterisches Material zusammengesucht. Wie schon in den vorherigen Manifestationen erwartet den Besucher eine Mischung aus merkwürdigen Dokumentationen, obskuren Konzert-Mitschnitten und bizarren Kurzfilmen aus der Kaiserstadt Aachen. Wir freuen uns besonders, diesmal Heiko Fischer als Special Guest begrüßen zu dürfen. Eine einzigartige Gelegenheit, sich sowohl den Geist verwirren zu lassen, als auch dem Lokalpatriotismus zu fröhnen. So kommet zuhauf in die Raststätte – die Moderatoren stehen auch nach dem Event zum gemeinsamen Alkoholkonsum zur Verfügung.

2. September 2014

Zeittotschläger

Filed under: Aachen in den 80ern, Aachener Umland — karl pach @ 1:35 nachmittags

Klaus Wittmann, Untergrund Urgestein und Zuträger dieses Blogs hat ein Buch geschrieben. Die Thematik passt prima hierher, daher darf auch die Beschreibung und Kaufempfehlung durch den Autor folgen:

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Zeittotschläger
Teenage, Punk, Postpunk, New Wave
und die Gleichzeitigkeit des realen Lebens.
Ausgangspunkt: Raum Aachen
Trickbeat, Sozialmafia, Play for Roses, Parkhaushänker, Hervé & kilowatt, Moriticians, Seltsame Zustände, Turquoise Casket, Bierfront, P 5, Hauptquartier usw.
Ein kenntnisreicher Roman, bei dem Wahrheit und Dichtung Hand in Hand gehen.
. Buch-Neuerscheinung
. Titel: Zeittotschläger
. Autor. Klaus Wittmann
. Format: pdf-Datei, ca. 2,2 MB (ca. 300 Druckseiten).
. Preis: 16,90 Euro
. Bezug: zeittotschlaeger@freenet.de
. Exposé / Klappentext.
Wie sieht ein Leben aus, wenn es auf den Popkosmos reduziert wird?
Morrissey: „Ich glaube, Musik kontrolliert ganz massiv das Leben der meisten Menschen. Jeder hat doch eine Platte, die ihn ernsthaft sein ganzes Leben überprüfen lässt. Als ich jünger war, hat mich Musik komplett geprägt. Und in England ist es ganz bestimmt so, gerade in den kleineren Provinzstädten. Die Leute haben dort nichts außer der Musik, das ist ihr ganzes Leben.“
„Wir waren Zeittotschläger, wegen Camp Sophisto und Annette, und die Freiheit war die Freiheit, die Nächte um die Ohren zu schlagen. Wir waren glücklich. Aber es reichte nicht immer.“
Zeittotschläger – aus den Kriegstagesbüchern.
Es geht um Popmusik, wie sie Leben beeinflusst und manchmal, wie sich Musik und Leben gegenseitig bedingen. Von 1978 über 2005 in die Zukunft, von den Bay City Rollers zu Spearmint, von Queen zu Pulp, von Birth Control zu den Melvins, von den Slits zu Erase Errata. Ein kenntnisreicher Bericht über Punk und die Folgen. Und über die Suche nach dem perfekten Popsong, die schließlich ganz unerwartet in einer kleinen miesen Spelunke mit Erfolg bedacht wurde.
Gleichzeitig geht es um erwachsen werden und erwachsen sein in der Popkultur. Um die Widersprüche zwischen dem Dasein im Bürgerlichen und im Underground. Über Freundschaften, meistens oberflächlichen, vorübergehenden, aber auch längeren und lebenslänglichen und wieder über Musik, die funktioniert, weil sie Freundschaften definiert und schließt. Nebenbei wird die These bestätigt, dass Jungs auf Konzerten
keine Mädchen kennenlernen. Widersprüche und offene Stellen werden nicht ausgeschlossen. Wie im wahren Leben
Und so erfahren wir, warum “Monarchie und Alltag” und “Heaven up Here” die besten Pop-LPs aller Zeiten sind, warum ein Punk für den Staat freiwillig arbeiten kann, dass John Peel der einzige der Welt war, und warum Popmusik glücklich macht, zumindest grundsätzlich. Zumindest Kai Wiedemann, neben der Pop-Musik die Hauptperson dieses Buches.
. Auszug.
1985
kam die Zeit, in der die Wochentage zu Wochenenden wurden und das Leben voranpfeilte. Die Nächte in den Clubs, frühmorgens um drei im Rauchschweiß alles klar sehen, alles durchschauen im Schwarz Violett Weiß des lautlos zeitlos fließenden Lichtlichts, dass es still war, das Medium Musik den Raum und das Dasein halluzinativ erweiterte. There is no Shuffle.
1985 handelte nur von Klarheit. Die Klarheit zu wissen, was man nicht braucht: kruschpelndes Menscheln, siehe Öko, siehe Gesprächskreise, vergleiche Gitarre am Lagerfeuer. Was ich von der Uni zu halten hatte, wusste ich auch schon: Während der 13 Semester war ich nur auf ziemlich genau ein bis zwei Unifeten, eine davon die Erstsemesterfete im Oktober 1984. Da stand der junge Student auf dem Balkon des Ché-Hauses, die Krawatte flatterte kühn im Wind und der Altsemesterbart, der ihn ansprach, verstand überhaupt nichts, als er fragte, ob er sich nicht einer kleinen Gruppe anschließen wollte, man habe gerade so viel Spaß im dialektischen Infinitiv. There is no rest for the wicked one. Der Feind ist nicht das falsche Deutsch, sondern das falsche Denken. Ich verließ den Ort, hinter mir alles kaputtverlassend, wegfliehen vor dem Vorhersehbaren & Vergänglichen, der Deutsch- und Dummheit. Folglich sah mich die Uni nur zu Pflichtveranstaltungen, Diskutieren war mir zuwider, ich wollte einfach machen. Städte planen übrigens. Create the room in which you do it.
Außerdem war mein Spieltrieb doch ausgeprägter als mein Hang zum alltäglichen Masochismus, die Einsamkeit musste endgültig sein, ebenso wie die Ewigkeit, das Bier. Hin zu weißen Blättern, zu Gedankenmanuskripten, um 4 Uhr morgens hirnmasturbierend in einer Präzisierungslawinenwut runtergestanzt und bereits nach ermattendem Schlaf einschließlich tuffsteinernem Knurpsen im Schädel in der Morgendämmerung nur noch unverständlich. Tough town / cruel touch: Sonic Youth, geboren aus Glenn Branca’s Gitarrenmanifisten, gaben den kommenden Jahren eine Melodie, also einen Halt.
So wurde ich zu einem Gänger der Nachtstädte, wo sich Menschenskinder trafen, die noch nicht zu sich selbst gefunden hatten, dies aber nicht wussten. Die anders sein wollten, aber auf die Gelegenheit warteten, auszusteigen oder die dies niemals wollten oder niemals konnten.
Sie waren einsam. Aber die Musik war Laibach Neubauten Nick Cave Birthday Party Pogues Jesus and Mary Chain Front 242 Neon Judgement Sonic Youth und wieder neu The Cure, die damals gerade so wirres überdrehtes Hitzeugs hatten und den ’87-Durchbruch einleiteten. Und ganz viel Bone Orchard, am besten drei Mal täglich. Leben ohne Musik? Barbarei, Kälte, Tod. Die Musik, wie wunderbar! Die Tänze, wild+würdig, hochgeschossen und seelenbrennend leidend, die Gespräche im Bier vom Ausdruck leer+gut wie eine sinnentleerte mathematische Formel, allen Argumentationen gegenüber erhaben. Den Beweis trat niemand an. Kam jemand
hinzu, brachen die Gespräche ab, entwickelten sich neu. Wer sich nicht begeistern konnte für Fleshtones Cramps Alemannia Degraa Mädchen Pop, war dümmer, als er tat. Das kleinkleine irdische Dasein wurde vergessen gemacht, das Mittelmaß überschritten. Sie lasen die Prawda. Sich jederzeit der letzten 4000 Jahre Menschheitsgeschichte bewusst sein! Jede Nacht, jede neue tolle Platte brachte sie weiter. Die bunten Variationen der PostPunkära.
/ Und niemals schlafen / alles lügen / staubiges Vergnügen / Telefon! Zieh! /
Vormittags war der Schlaf so Kein Schlaf, aber ein eigentliches Umspültwerden von Knochen + trockenem Sekt, der die Chemie aus den Nervenporen drückte. Alles durchzogen vom Haargel der Nacht zuvor.
Wir gingen ins P 5. Ins Aachener “Batcave” brachen die bunten Variationen der neuen Ära auf und fanden Heimat: Blitz-Kids, Prolls, bleichgesichtige Napalmblondinen, Bohemians, Njupunx, Schwarzkittel und all die anderen, die noch nicht wussten, dass es sie morgen nicht mehr geben würde. Wir gingen jeden Freitag, jeden Samstag und manchmal zwischendurch – nach 23 Uhr, denn vorher war “nichts los”, bis 2 Uhr, bis 3 Uhr, bis 4 Uhr. Von außen war der Laden völlig unscheinbar, nur eine schwarze Tür mit einem verspiegelten Rundfenster zwischen innerstädtischen Schaufenstern der 1b-Lage, einem Juwelier und einem Modegeschäft. Kein Schriftzug. Nur die Hausnummer: “5”. Peterstraße 5. Nichts ist ohne Geheimnis. Hinter der Tür bewachte meistens Noppi einen nachtblauen, langen, schmalen und niedrigen Gang, der eine rechtswindende Treppe in den Keller hinunterführte. Fluchtweg Fehlanzeige – im Brandfall wäre jeder einzelne Silberfisch erstickt. Links eine “Garderobe”, dahinter ein Raum in Form eines Boomerangs: Rechts der Tresen und die Toiletten, links die Tanzfläche, dazwischen die Turntables. Größe: Vielleicht 100 m²? Die Wände waren nicht verspiegelt, teilweise schwarz. Das Bier kam merkwürdiger Weise aus dem Elsass. In Aachen war es nur hier erhältlich, unterstrich das Ungepasste und wurde aus Flaschen getrunken. Wir standen und tranken ohne Trinkzwang die Biere in den Bauch. Wir schwiegen viel und schauten den anderen zu, wie sie uns zuschauten. Wenn wir tanzten, dann zeigten wir das eigene Leiden am Zustand der Welt und des Ichs. Wenn wir redeten, dann laut und mit großen Gesten, über Platten, Bands, Konzerte und Mädchen. Wir waren Zeittotschläger, wegen Camp Sophisto und Annette, und die Freiheit war die Freiheit, die Nächte um die Ohren zu schlagen. Wir waren glücklich. Aber es reichte nicht immer.
. Unter anderem spielen mit:
Eschweiler (aka Indestadt), Aachen, Übach-Palenberg, Köln, Bochum, Hanau, Hamburg, Echo and the Bunnymen, Fehlfarben, Sonic Youth, Blumfeld, Birthday Party, Coil, Big Black, Smiths, The Fall, Spearmint, Art Brut, Erase Errata, DAF, SPK, Melvins, Altered Images, Abwärts, And also the Trees, Foyer des Arts, Malaria, Gang of 4, Yo la Tengo, Associates, Nick Cave & the Bad Seeds, Cocteau Twins, Mighty Lemon Drops, Godfathers, Lydia Lunch, Ideal, My Bloody Valentine, I ludricous, Throw that Beat in the Garbagecan, Sugarcubes, Nirvana, Die Toten Hosen, Heaven 17, Au Pairs, Jesus and Mary Chain, Walkabouts, Joy Divsion, Nichts, Something to Burn, Specials, Strokes, Cabaret Voltaire, Marc Almond, Family 5, Die Goldenen Zitronen, Max Goldt, Laibach, Neon Judgement, Morticians, John Peel, Cassettentäter, Hervé & kilowatt (aka Die Klobürstenköppe), Die Parkhaushänker, Seltsame Zustände, Trickbeat (aka Kickbeat), Play for Roses, Egotrip, Sozialmafia, Turquoise Casket, Graf Haufen, Bierfront, Purer Spaß (aka Der Springende Punk), Klenkes, Hauptquartier, P5, Luxor, Rose Club, Metropol, Ritz, Fabrik, Audimax, Pandora’s Box, Pinkpop, Hurricane, Spuugh, Ku-Ba, Zeche, Markthalle, Große Freiheit, Logo, usw. usf.
. Setlist
0 Zappen: Geschichten der Matchbox-Generation
I (It’s the Beginning of a) New Age
II Welcome to the Eighties / Nineties
III If the Kids are united
IV Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein
V Neue Zähne für meinen Bruder und für mich
VI I live in Siberia / through no Fault of my own
VII Country Girl became Sex Drug Punk Squatter
VIII Wir bauen eine neue Stadt
IX Simple Stuff
X Die Rückkehr des gigantischen Sommerhits
XI Here comes another Winter
XII Over the Wall (Liebe ist möglich)
XIII Hamburg
XIV Retro
XV Auslaufrillen
. Gibt es den Roman auch gedruckt?
Das Manuskript stand kurz vor der Veröffentlichung als gebundenes Buch. Das Lektorat war abgeschlossen. Aufgrund von Bedenken der Verlagsleitung gegen einige Passagen wurde die Veröffentlichung gestoppt.
. Recht haben.
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