Aachener Untergrund Kultur

7. Dezember 2011

Rückstand, TE Musik, Abnorm und Perlen vor die Säue in „Irre“ 5/82

Cover Irre 5

Die Kollegen von Tape Attack haben gerade einen Scan der fünften Nummer von „Irre“ veröffentlicht, zu seiner Zeit (’82) eines der wichtigsten Fanzines aus und über die deutsche Cassettenlabel-Subkultur. „Irre“-Macher Matthias Lang (hier und hier neuere Interviews mit ihm) war zwar kein Aachener, sondern wohnte in Ramstein, widmete sich hier aber ausführlich dem Aachener Musikwesen aus dem Umfeld der Reinfall-Tapes. Anlass dafür war wohl ein Auftritt der Reinfall-Supergruppe Rückstand im Saarland. Hier der Konzertbericht im launigen, „Sounds“-geschulten typischen 80er-Jahre-Stil:

Rückstand live

Als ich hörte, daß Rückstand in unserer Gegend (im tiefsten Saarland) spielen würde, war mir klar, daß ich das hinmußte. Wo doch 1. die Gruppe tolle Musik macht und 2. der ENK vom Goldextra den Bass spielt. Klare Sache, daß auch die saarländische Fanzineszene gut vertreten war durch Walter (Mitty) und Martin (Uder). Ebenso war Mr. Kurt Scheiber aus Windsheim da, der mich vor dem Konzert liebenswürdig drum bat (!!!), ja auch zu kommen (Hiermit grüße ich alle). Publikumsmäßig (so fängt jede LiveKritik an) waren folgende Sparten da: Punks, die laufend um Geld bettelten, Hippies, der schlimmsten Sorte, rocker, die etwas spät kamen, normalsterbliche (ich) und einige undefinierbare. Das Konzert begann so um 10 Uhr + endete 1 Stunde später. Rückstand spielte sehr gut, sehr funkig/tanzbar und insgesamt 12 Songs, darunter INDUSTRIESTADT/EINE KUGEL/KEINLANDINSICHT….! Der Sound war etwas übersteuert, aber ich habe schon schlechteres gehört. Vor und nachdem Konzert unterhielt ich mich ein wenig mit Kolleggen, man tausche Tapes. Mehr gäbs nicht zu sagen, ach ja, von Rückstand gibts saubillige Tapes in sehr guter Qualität, Adresse irgendwo weiter hinten….

An diesem Abend gingen wohl ein paar Reinfall-Tapes aus dem Reisegepäck von Rückstand-Schlagzeuger und Labelboss Silvio Franolic in den Besitz von Matthias Lang über. (Umgekehrt tauchten damals im Sortiment von „Mono“, wo Silvio noch als Paul Steinbuschs Kompagnon arbeitete, saarländische Tapes u.a. von Andi Arroganti auf.) Denn auf den hinteren Seiten des Hefts lesen wir folgende Besprechungen:

TE Musik/ Licht und Luft gibt Saft und Kraft
Reinfall Tapes

Zunext einmal die Mitteilung, daß es ein sehr gutes Tape ist, aufgenommen 79-82 in Köln und M-gladbach. Stilistisch bunt gemischt, etwas instrumental, etwas funk, etwas punk, viel gesang, teilweise (überwiegend) guter Gesang, wirklich sehr gut. Der Song ‚Disziplin‘ erinnert ein wenig an BAP, wie gesagt, ein wenig. Der letzte Song auf Seite 1 ist dann sehr traurig gehalten: ‚Körper‘. Männer in weissen Anzügen kommen und tragen Dich weg….. Das Tape ist nicht nur sehr gut (Prädikat Label: Wertvoll) sondern mit DM 4.– für jeden erschwinglich.

Eine Seite weiter:

Abnorm / Leise flehen meine Lieder c-30 ReinfallTapes, 5120 Herzogenrath, Bodelschwinghstr. 6

Dieses Tape wird von Peter Horton eröffnet mit einem seiner tollen TV Ansagen (letztes Mal traf ich einen Freund, er setzte sich ans Klavier, ich sang…), dann gehts allerdings ziemlich geordnet chaotisch weiter, das erste Stück auf Seite B super funkig, mit einer echt guten Funkgitarre, schnell gespielt. Gegen Schluß von Seite B dann noch ein langsameres Stück, schon leicht in Jazz Gefilden zuhause, aber alles in allem ein Klasse Tape, mit einer Qualität, wie’s besser wahrscheinlich nicht geht.

Und:

Perlen vor die Säue c-30 ReinfallTapes

Auch hierüber nicht viele Worte, ein gutes abwechslungsreiches Synthitape mit vielen guten Ideen, die Freunde [sic!] und Spaß machen. Eine Empfehlung des Hauses

17. Juni 2011

Destroy, kann man da nur sagen

Theo
In Aachener Breiten benötigt Theo Trickbeat keine einführenden Worte mehr, siehe unsere früheren Beiträge. Für den Rest der Welt hinken konventionelle Vergleiche (wie: Karl Valentin/Späthippietum/geniale Dilletanten). Hier sei lieber auf ähnlich obskure Geistesverwandte wie den Niederländer Dr. Bibber verwiesen.

Seit mittlerweile drei Jahrzehnten zieht Theo sein Trickbeat-Ding durch, ohne Rücksicht auf Zeiten und Verluste. Grenzen von Outsider- und Konzeptkunst, Grantlertum und Kulturkritik, Genialem und Banalem gelten dabei heute noch weniger als früher.

Dem Schreiber dieser Zeilen bot sich Theo vor zwei Jahren dankenswerterweise als Aachen-Fremdenführer an. Der Streifzug durch Innenstadt und Pontstraßen-Viertel wurde auf Video festgehalten. Er kulminierte in einem Interview im Hauptgebäude der RWTH, wo Theo seiner Nebenlaufbahn als (vermutlich nicht eingeschriebener) Langzeitstudent der Philosophie nachgeht:

Warum Trickbeat?

Theo: Der Name spricht für sich, also ein Beat, der mittels Tricks produziert wird. Die Anlage war, Musik zu simulieren; so zu tun, als sei das ein Konzert, so zu tun, als sei das ein Lied. Und dazu verwendet man elektronische Mittel, war meine seinerzeitige Überzeugung. Nächste Frage.

Wir sitzen hier im Beton, und Trickbeats Humorismus ist härter als Beton.

Theo: Ja, richtig. Jetzt muss ich gerade sehr sachlich antworten, weil ja viele Leute Interviews mitschreiben, die sie im Fernsehen sehen – möchte man informiert werden. An anderer Stelle kann man die Trickbeat-Diskografie lesen. Man kann zum Beispiel regelmäßig informiert werden über mein Tun und Lassen und Nachforschen auf trickbeat.de. Indem das Spiel des Humors hart wie Beton sein soll, wird angespielt auf meine Gewohnheit, Humor zu verstehen als das Spiel mit den Bedeutungen. Und das ist jetzt wiederum von Milieu zu Milieu verschieden. Wenn’s darum gehen soll, tatsächlich diese unterdrückten Punkte unseres Denkens und Fühlens zu Scherzen zu verarbeiten, dann haben wir es zu tun mit einer gewissen HÄRTE. MIT, ÖH, HÄRTE UND, ÖH, HUMOR. [Holt Krümelmonster-Plastikfigur aus der Tasche.] UND ICH BIN AUUUCH DABEI! JETZT HAB‘ ICH’S DENEN GEZEIGT! NA, SIEHST DU MICH? SO, UND DAS IST JETZT WITZIG… JA? ICH ZWEIFEL‘ ZWAR DRAN, ABER NIMMS NICH SO, ÄH ÄH, JA… ICH BIN AUS PLASTIK. MEIN KOPF IST LEER. JA, TSCHÜSSCHEN, MUSS ZURÜCK ZUM PLASTIK-KEKS, HÖHÖ. Destroy, kann man da nur sagen…

17. Januar 2011

Abnorm, Neros tanzende Elektropäpste wiederveröffentlicht!

Filed under: Aachener Label, New Wave, Reinfall Tapes — karl pach @ 12:03 pm
Das Aachener Label EIGENBAU RECORDS beschert der geneigten Käuferschaft 2 Wiederveröffentlichungen aus dem Reich untergegangener Kassettenschätze unserer Kaiserstadt. In exklusiver Aufmachung ergänzen das Gesamtwerk von „Neros tanzende Elektroäpste“und Abnorm den Eigenbau Katalog.


Der gleichen musikalischen Quelle entspringt die Erstveröffentlichung „Ufos über Palästina“. Besetzung hier ist gleich der Neros Stammformation, die Aufnahmen datieren aber aus den frühen 90er Jahren.

Die Veröffentlichungen erscheinen stilecht als Audiokassetten im Albumformat. Bestellbar ist das Ganze hier: www.eigenbau.rowenta.cc

31. Dezember 2009

>POLICE – Eurogress, 04.12.1979

Filed under: Aachen in den 70ern, Konzerte in Aachen, New Wave — Allo Pach @ 12:47 pm

Ich erinnere mich noch sehr gut und gerne an dieses Konzert (eines meiner ersten), ganz vorne an der Bühne hatte ich mir einen Platz erkämpft. Leider hatte Andy Summers hatte eine sehr „feuchte“ Aussprache beim singen, was mich aber nicht wirklich störte, war Police doch damals eine meiner absoluten Lieblingsbands (kann ich heute nicht mehr so nachvollziehen…).

Leider konnte ich im Laufe der Jahre nie einen Mittschnitt dieses Konzerts auftun, nun habe ich aber von Hans H. (vielen Dank!) einige Backstage Fotos aus dem Eurogress bekommen, wo die Band ein holländisches Musikblatt („Hitkrant“) signierte.

14. Dezember 2009

>MONTANUS Niederlassung in AC

Filed under: Aachener Schallplattenläden, Kultstätten in AC, New Wave — babula @ 6:05 pm

Eigentlich ist dies eine Montanus-Kassenzettel-Datumsnachweisgeschichte, aber beim Durchblättern der Zeitschrift, die ich einst höchstpersönlich in der unteren Adalbertstrasse gekauft habe, holt mich die Erinnerung an unvergessene Musikmomente im Montanus Ladenlokal ein. Und wenn sie (meine Erinnerung) mich nicht trügt, dürften die jetzigen „Wohltat“ Räume die legendäre Aachener Montanus-Filiale beherbergt haben. Oder war’s doch noch etwas höher Richtung Allo Pach?
Da ich seinerzeit eine stinklangweilige Ausbildung zum Versicherungskaufmann in der Aachener Bezirksdirektion einer großen Bremer Versicherung durchzustehen hatte und mir mittags immer 45 Minuten Mittagspause zustanden und der Weg zu Heiliger und Kleutgens oder Montanus in etwa gleich waren, stand ich mindestens alle 2 Tage im hintersten Bereich des Ladens um mir alle möglichen „New Wave“ Platten (ja…das war der magische Musikbegriff damals und nicht Post-Punk) anzuhören. Habe viele, viele Entdeckungen gemacht aber nahezu NIE Schallplatten bei Montanus gekauft (wohl aber Zeitschriften und Taschenbücher), da diese im Vergleich zu Allo Pach, Horten(!), Disco-shop in der Schützenstrasse und dem Laden im neu eröffneten City-Center und vor allem Jansen in der Peterstrasse, einfach deutlich teurer waren. Nur einmal erinnere ich mich an einen Anflug von Pflicht zur Dankbarkeit, in dem ich die zuvor mindestens 30x in diversen Mittagspausen gehörte und schon ziemlich mitgenommene erste GANG OF FOUR LP – Entertainment bei Montanus kaufte. Leider hatte ich nichts eiligeres zu tun, als zu Hause das Preisschild abzuknibbeln, ganz zum Nachteil dieses Blogbeitrages. Da ich das Cover bei Montanus während des Hörens so oft in den Händen hielt, bin ich mir ziemlich sicher, dass die Platte 23,95 DM kostete.
Vor allem danke ich Montanus nachträglich auch für die damalige Möglichkeit, die ganzen Schundplatten anhören zu können, die im Vermarktungsdunstkreis des New Wave von den Plattenfirmen propagandiert wurden, und die man dann nicht fehlerhaft erstanden hätte. Ich denke da an LPs von Bands wie den Romantics, A’s, Paul Collins Beat, After the Fire, 20/20, the Nits, Urban Heroes, Ian Gomm, Bram Tchaikovsky, Mi-sex, Live Wire, Pezband, Dwight Twilley, Holly&the Italians, The Pop, Paley Brothers, The Shoes und wie sie alle hießen…
Jedenfalls verdient auch die abgebildete Zeitschrift einen Blogbeitrag, da sie eines der wirklich obskuren Artefakte seiner Zeit ist/war. Berichte wechseln von Il y a Volkswagen und Wirtschaftswunder zu Rory Gallagher und Foreigner, von Marius Müller-Westernhagen zu SPK und von den Clash zurück zu Peter Maffay. Ein Konzertbericht der Dead Kennedys steht direkt neben Piierpauke und der Mario Henne Band(?) und das CHERRY RED den (hervorragenden) Sampler Business Unusual veröffentlichen wird, erfährt man neben der essentiellen Info das Jürgen Drews mit der Single ‚Don’t want nobody‘ in den US-Charts gelandet ist. Ich besitze 7 Ausgaben dieser Zeitschrift, ich weiß aber, dass es mehr geben muß. Ich brauche ALLE. Zahle was immer verlangt wird!
Nun gut, das Kaufdatum ist datiert auf den 20.01.1981. Wie bereits in einem früheren Kommentar vermutet, glaube ich nicht so recht, dass Montanus länger als 1985 in AC gastiert hat.
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